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eine Einsendung an das
Organ der Konfektionäre
mit der Überschrift ver
sehen durste:
„Der Übel größtes ist der
Streik noch nicht.
Das ist das Einigungsamt
am Gewerbegericht."
Dergleichen sei eines
großen Verbandes, dessen
ümsatz sich nach Mil
lionen beziffere, unwürdig.
Diese scharfen Worte
eines Mannes, der selbst
Unternehmer war, gaben
der Presse das Signal,
und die Konfekttonäre
mußten böseAngriffeübcr
sich ergehen lassen. Sie
wichen daher hastig ein
Stück zurück und ließen
erklären, sie hätten durch
aus nicht die Absicht ge
habt, vor der Fällung des
Schiedsspruchs von der
vorläufigen Abmachung
zurückzutreten, sic hätten
nur gewissermaßen gegen
die Verschleppung des
Schiedsspruchs demonstrieren wollen. Eine Ausrede, die der Vorsitzende des
Gewerbegerichts von Schulz dadurch Lügen strafte, daß er der Presse den
Wortlaut des gar nicht mißzuverstehenden Schreibens des Fabrikantenvereins
zugehen ließ. Außerdem stellte er fest, daß das Einigungsamt durch die
bei den Vernehmungen ermittelten Tatsachen zu dem Beschluß genötigt
worden sei, die Untersuchungen über den Endtermin, den es sich erst bestimmt
hatte, hinaus fortzusetzen, die Vernehmungen aber mit größter Beschleunigung
täglich von 9 bis 3 ühr vor sich gingen. Selbstverständlich ließ man es
auch von seiten der Arbeiter nicht an einem kräftigen Protest gegen das
Verhalten der Fabrikanten fehlen. Die Fünferkommission berief auf den
11. Mai zwei große Schneiderversammlungen ein, mit Emma Ihrer und
Ioh. Timm als Referenten, die das schnöde Verhalten der Fabrikanten
gebührend brandmarkten und den Arbeitern dringend ans Lerz legten,
die Lehren daraus zu ziehen, die sich in die Worte zusammenfassen lassen:
Organisation und Rüstung zu weiterem Kampf. Man müsse darauf
vorbereitet sein, daß man sehr bald aufs neue für den Tarif werde
zu kämpfen haben.
Einstweilen blieb es jedoch beim alten. Das Einigungsamt führte sein
Arbeitsprogramm zu Ende durch und war gegen Mitte Juli so weit, einen
endgültigen Tarifcntwurf aufzustellen. Es übersandte ihn am 18. Juli
Während des Streiks.
146 und 147. Karikaturen aus dem Kladderadatsch
auf die Großkonfektionäre