Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Verband der Schneider, Schneiderinnen and 
verw. jjerufsgenossen Deutschlands. 
Quittungs-Karte 
über geleistete Beiträge zum Streik- und Agitations-Fonds. 
ft/tf.-Mad'. 
beigetroteo am 
ausgestellt am...^Jrts<u 19.4?/... 
P. 8. Sofern die Karte vollgeklebt, ist dieselbe anr Abstempelung der Marken an die Orts- 
Verwaltung abzuliefern und eine neue zu verlangen. Oie Karte, bleibt Eigentum des Inhabers. 
Buch-JV?... 
i 
Der Vorstand. 
iburg, OrahBahn 4ö. 
145. Quittungs karte über Beiträge zum Streik 
und Agitationsfonds 
mitwirkenden Fabri 
kanten wie auch von 
den Arbeitern für an 
nehmbar erklärt war, 
prüfte ihn das Eini 
gungsamt durch und 
legte ihn dann den Fa 
brikantenvereinen vor. 
Dort stieß er aber auf 
lebhafte Opposition und 
wurde schließlich in einer 
General-Versammlung 
des Vereins mit Mehr 
heit abgelehnt. Damit 
aber nicht genug, schrieb 
nun der Vorstand des 
Vereins an das Eini 
gungsamt, es habe sich jetzt gezeigt, daß ein Tarif auf dem Wege des 
Vergleichs nicht zustande kommen werde, damit sei die Voraussetzung für 
das Kompromiß vom 19. Februar hinfällig geworden, der Fabrikanten- 
vercin könne sich daher durch dieses nicht mehr für gebunden erachten. And 
das Organ des Fabrikantenvereins, der „Confektionair", fügte der Notiz, 
in der cs den Inhalt des Briefes wiedergab, die Bemerkung an, die Er 
klärung werde vielleicht einen neuen Streik zur Folge haben, die Fabrikanten 
fürchteten ihn aber nicht, da sich massenhaft Arbeiter zu den niedrigsten 
Löhnen anböten, der für die Dauer des Kompromisses ausbedungene 
Lohnzuschlag von 12 1 / 2 Prozent aber andern Orten der Konfektionsindustrie 
zugute käme, die nach freiem Ermessen die Löhne festsetzen könnten. Anver 
hüllter konnte man es nicht ankündigen, daß die Lohndrückerei von neuem 
das entscheidende Wort haben sollte. 
Noch einmal ermannte sich jedoch die Presse zu einem scharfen Protest. 
Nicht nur die Organe der Arbeiter, auch fast alle bürgerlichen Zeitungen 
Berlins erklärten diese Ankündigung für einen krassen Vertragsbruch. 
Ein energischer Mahnruf, den der Anternehmerbeisitzer des Einigungsamts, 
Fabrikant Weigert, in Gestalt eines Aussatzes in der Wochenschrift 
„Soziale Praxis" kurz vorher an die Presse gerichtet hatte, hatte offenbar 
seine Wirkung getan. Weigert hatte in jenem Aufsatz, der die Ergebnisse 
der Beweisaufnahmen des Einigungsamts schildert, direkt den sträflichen 
Rückfall der Presse in ihre alte Teilnahmlosigkeit dafür verantwortlich ge 
macht, daß ein Teil der Fabrikanten den Vertrag erst im geheimen gebrochen 
hätte und nun daran ging, es öffentlich zu tun. Er hatte es als eine 
„Ananständigkeit" hingestellt, daß die betreffenden Fabrikanten die Verant 
wortung für ihren Wortbruch mit der Ausrede auf die Schultern der 
Arbeiter abzuwälzen suchten, diese hätten durch Nicht-Boykottierung 
derjenigen Fabrikanten, die der Abmachung nicht beigetretcn seien, selbst 
das Scheitern der Abmachung verschuldet. Die Arbeiterpresse sei im Recht, 
wenn sie es als eine Provokation der Arbeiter bezeichne, ihr am Vorabend 
der stillen Saison mit einem solchen Vorhalt zu kommen, für den Geist 
eines Teils der Fabrikanten sei es charakteristisch, daß einer von ihnen
	        
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