Object: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Mikroskopische Untersuchung. Gerste. 
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Am umfangreichsten wird die Gerste zur Malzbereitung einerseits für 
Zwecke der Bier-, andererseits für Zwecke der Spiritus- oder Hefe-Gewinnung 
(Brennerei) verwendet. Die bei der Bierbrauerei und Brennerei gewonnenen Abfälle 
sind aber in einem Punkte wesentlich verschieden. In der Bierbrauerei kann 
nur gekeimte und durch Darren usw. entkeimte Gerste (Malz) verwendet werden; 
man gewinnt daher dort, wo nur Gerstenmalz zur Bierbereitung verwendet werden 
darf, als Abfälle die Malzkeime und die keimfreien Treber (Biertreber), 
die frisch wie getrocknet als Futtermittel Verwendung finden. Aber auch wenn 
noch sonstiges Getreide (wie Mais, Reis u. a.) Verwendung findet, muß dieses 
durch Schälen entkeimt werden, so daß die hei der Bierbereitung gewonnenen 
Treber allgemein keimfrei sind. In der Brennerei dagegen, hezw. auch hei 
der Hefengewinnung verwendet 
man keimhaltiges Grün- oder Luft 
malz und andere Getreidearten (Roggen, 
Dari usw.) im natürlichen, nicht ent 
keimten Zustande; die Brennerei 
treber (frisch oder getrocknet) sind 
daher zum Unterschiede von den Bier 
trebern stets keim haltig. Im übrigen 
werden die Brennereitreber wie bei 
der Bierbrauerei gewonnen, indem man 
das verzuckerte Maischgut abseiht, 
d. h. von den Schalen der Rohstoffe 
befreit und dann der Gärung unter 
wirft. Durch Destillation des gebildeten 
Alkohols, durch das sog. Abbrennen 
wird als weiterer Abfall die Schlempe 
(Destillationsrückstand) erhalten, die 
ebenfalls im frischen wie getrockneten 
Zustande ein geschätztes Futter 
mittel ist; 
Aus der Gerste werden ferner sehr 
Verschiedene Mahlerzeugnisse her 
gestellt, nämlich Grütze, Graupen, 
Gries, Perl- (oder Roll-) Gerste, 
ferner feinstes Gerstenmehl (Gerstenschleimmehl). Unter Gersten-Grütze 
versteht man die geschälten oder gespitzten und gebrochenen Mehlkerne, unter Gersten- 
Graupen die geschälten, gerundeten und polierten Mehlkerne, unter Perl-(Roll-) 
Gerste geschälte Gerste, die zunächst in Gräupchen zerschnitten und dann erst 
gerollt wird; durch weitere Zerkleinerung und Reinigung erhält man das Gersten- 
Sc hleimmehl. Die hierbei gewonnenen Abfälle bestehen aus den Spelzen hezw. der 
s °g. Gerstenkleie oder Gerstenabputz (mit Grannen), die beide reich an Roh- 
faser und Asche (Kieselsäure aus den Spelzen) sind, ferner aus dem Gersten 
futtermehl von sehr schwankendem Gehalt an Gerstenschalen (6,0—23,0°/ 0 Rohlaser 
und 2,8—9,5 o/ 0 Asche). 
An Verunreinigungen kommen in den Mahlabfällen der Gerste häufig vor 
H'icken und sonstige, unter Roggen- und Weizen-Abfällen bereits genannte Un- 
rautsamen, ferner Staubbrand (Ustilago Carbo) und Mutterkorn, weil Gerste nächst 
cem Roggenkorn am häufigsten von Mutterkorn befallen wird. Beregnete oder 
Landwirtschaftliche Stoffe, 3. Auflage. 20 
Fig. 66. Querschnitt durch ein Gerstenkorn. 
Sp Spelze mit Gefäßhündel, Fr Fruchtschale, S Samen 
schale, Al Aleuron, M Mehlkörper. Nach C. Böhmer.
	        
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