Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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*)  Kef.  soc.  I,  S.  XII  ff.

In  erster  Linie  sollen  es  Praktiker 1 )  sein,  Landwirte  oder
Gewerbetreibende.  Dabei  ist  es  gleichgültig,  ob  sie  einem  großen
oder  einem  kleinen  Betriebe  vorstehen.  Ohne  die  Anwendung  von
Gewalt  halten  sie  den  öffentlichen  Frieden  aufrecht,  alle  durch  dieselben ­
  Mittel:  „Sie  geben  in  ihrer  Heimat  ein  gutes  Beispiel,  indem
sie  ihren  Dienstboten,  Arbeitern  und  Nachbarn  Bespekt  und  Zuneigung ­
  einflößen“.  Wo  sie  frei  herrschen,  schaffen  sie  feste  und
gedeihende  Gemeinwesen;  durch  Regierung  und  geschriebene  Verfassungen ­
  werden  sie  oft  gestört.
„Auf  gewisse,  wohlüberlegte  Fragen  geben  sie  fast  übereinstimmende
Antworten;  aber  gleichzeitig  bezeichnen  sie  es  als  eine  Unmöglichkeit,
daraus  allgemeine  Vorschriften  abzuleiten.  Sie  schließen  immer  mit
den  Worten,  daß  man  Völker  viel  mehr  durch  Gewohnheiten  als  durch  geschriebene ­
  Gesetze  regiert.“
Am  besten  sind  als  „Soziale  Autoritäten“  solche  Menschen  geeignet,
die  inneren  Anteil  an  ihren  Mitmenschen  nehmen.  Wie  Le  Play
überhaupt  die  Kunde  sozialer  Verhältnisse  mehr  vom  Herzen  ausgehen ­
  lassen  will  als  von  der  Vernunft,  so  stellt  er  auch  hier  den
inneren  Anteil  höher  als  das  soziale  Verständnis,  das  natürlich  nicht
fehlen  darf.  Dieser  innere  Anteil  wird  unter  dem  Einfluß  der
Religion  am  besten  erzeugt.
Im  Anfang  seiner'sozialen  Studien  glaubte  Le  Play  sich  vor
solchen  Menschen  hüten  zu  müssen,  die  ihr  Denken  den  religiösen
Überzeugungen  unterordnen.  Er  fürchtete,  daß  bei  ihnen  die  genaue ­
  Tatsachenschätzung  und  die  Unparteilichkeit  der  Schlußfolgerungen ­
  in  Gefahr  seien.  Doch  seine  Erfahrung  belehrte  ihn
eines  besseren.  Sie  zeigte  ihm  aber  auch,  daß  es  nur  darauf  ankomme, ­
  daß  man  das  Glück  seiner  Mitmenschen  will.  Die  Skeptiker ­
  kennen  dieses  Ziel  nicht,  deshalb  ist  von  ihnen  für  die  Sozialwissenschaft ­
  wenig  zu  erwarten.  Die  tiefste  sozialwissenschaftliche
Erkenntnis  fand  er  namentlich  dort  vor,  wo  die  Menschenliebe  zum
freien  Gehorsam  gegen  die  Gesetze  und  zum  Glauben  an  ein  Jenseits
geführt  hatte.  Trotzdem  hält  Le  Play  von  dem  sozialen  Verständnis
der  meisten  Geistlichen  nicht  sehr  viel;  selten  traf  er  bei  ihnen  auf
richtige  Anschauungen.  Zwar  sagt  er,  daß  mancher  einfache  Dorfgeistliche ­
  mehr  wirkliches  soziales  Verständnis  habe  als  liberale
Gelehrte.  Aber  er  machte  die  Erfahrung,  daß  oft  geistlicher  Bekehrungseifer, ­
  Bildungsstolz,  unbedingter  Gehorsam  gegen  geistliche
Autoritäten  die  Einsicht  trüben.  Religiös  gesunde  Laien,  die  vor
            
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