Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

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wiesen.  Deshalb  durfte  auch  die  Monographie,  die  im  Jahre  1855
veröffentlicht  wurde,  diesen  Zustand  nicht  mehr  als  einen  noch
bestehenden  in  Verbindung  mit  einem  Budget  aus  späterer  Zeit
darstellen.
Das  Verfahren  ist  irreführend.  Es  zeigt,  daß  Le  Play  die
Voraussetzungen  einer  richtigen  Analyse  nicht  klar  erkannte.  Die
zeitliche  Einheitlichkeit  ist  doch  eine  unerläßliche  Voraussetzung
für  jeden  Versuch,  eine  Kausalität  festzustellen.  Zahlen  und  Worte
müssen  einander  entsprechen.  Hier  fehlt  aber  jede  Verbindung
zwischen  beiden.  Wenn  Le  Play  ohne  Bedenken  eine  solche  Monographie ­
  veröffentlichte,  so  beweist  dies,  daß  bei  Le  Play  Wort  und
Zahl  überhaupt  nicht  so  eng  zusammenliingen,  wie  er  versicherte,
und  wie  die  Methode  es  verlangt.
Auswahl  der  Familien.  Der  „Typus“.  Die  nächste  sich  uns
aufdrängende  Frage  besteht  darin,  festzustellen,  ob  die  Familie
„typisch“  ist  für  ihre  Gegend.  Diese  Frage  ergibt  sich  ohne  weiteres
aus  dem  Gedanken  Le  Play’s.
Er  hatte  bei  Aufnahme  seiner  Monographien  die  Absicht,  die
sozialen  Verhältnisse  eines  Bezirks,  der  in  der  Familien-  oder
Arbeitsverfassung  oder  aus  sonstigen  Gründen  ihm  charakteristisch
erschien,  an  der  Hand  einer  Familien-Monographie  zu  beschreiben.
Weshalb  er  die  soziale  Einheit  der  Familie  wählte,  und  weshalb  die
sog.  „Arbeiter“-Familie,  wissen  wir  bereits.  Le  Play  hat  aber  nicht
alle  diese  Monographien  veröffentlicht,  sondern  nur  einen  kleinen
Teil;  von  300  wählte  er  57  aus,  die  ihm  „besser  als  die  anderen
verschiedene  Gegenden  Europas  zu  repräsentieren  schienen“ 1 ).  Dabei ­
  wurde  Le  Play  von  der  Absicht  geleitet,  eine  Entwicklungsreihe ­
  aufzustellen,  von  der  asiatischen  Urfamilie  bis  zur  Familie
Westeuropas.
Wenn  man  von  dieser  Absicht  Le  Play’s  ausgeht,  ist  es  natürlich ­
  sehr  wichtig,  ob  er  für  die  einzelnen  Stufen  die  geeigneten
Muster  wirklich  ermittelt  hat;  denn  es  handelt  sich  dabei  um  eine
Bewertung  der  ganzen  Entwicklung.  Ob  Le  Play  immer  die  Durchschnitts-Familie ­
  gefunden  hat,  können  wir  nicht  entscheiden;  es  ist
möglich;  ebenso  möglich  ist  es  aber  auch,  daß  er  eine  Familie
wählte,  die  seiner  Bewertung  des  Zustandes  am  besten  ent-|[
  sprach.

»)  0.  E.  I,  397.
            
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