Full text : Die Frau als kaufmännische Angestellte im Handelsgewerbe

43

sie  den  größten  Abzug  vom  Ertrag  verursachen.  Der  Inhaber  beschränkt
daher  entweder  die  Zahl  der  Lehrer  und  bewirkt  dadurch  eine  überstarke ­
  Besetzung  der  Klassen,  eine  Überlastung  des  Lehrpersonals,
oder  er  zahlt  schlechte  Gehälter  und  beschäftigt  infolgedessen  nur
ungenügende  Kräfte.  Die  notwendige  Folge  sind  mangelhafte  Unterrichtsergebnisse.
  Der  Leiter  will  aber  nicht  nur  an  den  Ausgaben  sparen,
sondern  auch  möglichst  große  Einnahmen  erzielen  und  daher  einen  recht
zahlreichen  Besuch  seines  Institutes  erreichen.  Da  dieses  Bemühen
den  besten  Erfolg  verspricht,  wenn  es  dem  Wunsch  der  meisten  Frauen
nach  möglichst  kurzbemessener  Ausbildungszeit  entspricht,  so  sind  die
Kurse  fast  ausschließlich  auf  Schnellunterricht  eingerichtet,  der  ein
vollständiges  Bewältigen  des  Lehrstoffes  nicht  gestattet.  Diese  Mängel
wirken  um  so  verhängnisvoller,  als  eine  Auswahl  nach  Schulbildung
und  Vorkenntnissen  nicht  stattfindet.  Lehranstalten  dieser  Art  veranlassen ­
  daher  vielfach  ungeeignete  Kräfte,  sich  dem  kaufmännischen
Beruf  zu  widmen.
An  die  Stelle  solcher  Schulen  treten  hoffentlich  immer  mehr  die
Unterrichtsanstalten  der  öffentlichen  Korporationen  und  Verbände.
Bis  jetzt  war  die  Zahl  der  Besucherinnen  einer  solchen  Anstalt  noch  recht
gering,  da  nur  Handelsschulen  mit  zwei-  bis  dreijähriger  Unterrichtsdauer ­
  schon  seit  längerem  bestanden;  doch  werden  solche  von  Frauen
wenig  besucht,  weil  diese  meistens  schnell  zu  einer  Stellung  gelangen
wollen.  In  neuerer  Zeit  sind  auch  Kurse  von  ein-  bis  eineinhalbjähriger
Dauer  geschaffen  worden,  der  Besuch  der  Handelsschulen  wird  dadurch
eine  wesentliche  Steigerung  erfahren.  —  Je  mehr  die  Erwerbstätigkeit
der  Frauen  als  dauernd  angesehen  wird,  desto  gründlicher  muß  die
Ausbildung  sein.  Die  Handelsschulen  wollen  daher  Gelegenheit  geben,
sich  in  den  handelswissenschaftlichen,  sprachlichen  und  kaufmännischen
Fächern  auszubilden.  Gewinnerzielung  und  Ausbeutung  liegt  nicht  in
der  Absicht  der  Gründer,  diese  sind  nur  von  dem  Wunsche  geleitet,  die
fachliche  Ausbildung  auf  eine  höhere  Stufe  zu  bringen.  —  Die  Dauer
der  Kurse  hat  man  auf  mindestens  ein  Jahr  festgesetzt,  damit  der  vorliegende ­
  Stoff  auch  wirklich  durchgearbeitet  und  von  den  Schülerinnen
auch  erfaßt,  nicht  nur  mechanisch  erlernt  wird.  Der  Unterricht  baut
sich  auf  einem  festgelegten  Plan  auf  und  umfaßt  alles,  was  die  Kontorangestellte ­
  in  ihrem  Beruf  wissen  muß.  Damit  der  Unterricht  keine
unnötigen  Erschwerungen  und  Verzögerungen  erleidet,  wird  eine  sorgfältige ­
  Zusammensetzung  der  Klassen  nach  der  Schulbildung  getroffen.
Nur  durch  solche  Maßnahmen  kann  das  Vorgesetzte  Ziel  erreicht  werden.
Neben  Sonderanstalten  für  das  kaufmännische  Personal  bilden  jetzt
die  Fortbildungsschulen  einen  wichtigen  Faktor  für  die  Ausbildung.
Zwar  ist  die  Anteilsziffer  nach  den  Erhebungen  noch  recht  gering,  aber
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.