Full text : Die Frau als kaufmännische Angestellte im Handelsgewerbe

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tätig.  Sie  arbeitet  jedoch  auch  für  die  Geschäftsinhaber  unentgeltlich,
weil  das  durchaus  im  Interesse  der  Mitglieder  liegt.  Aber  noch  einen
wesentlichen  Vorteil  außer  der  Billigkeit  für  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer ­
  hat  die  Stellenvermittlung  der  Vereine.  Da  sie  keinen  Verdienst
dabei  erzielen  wollen,  so  ist  ihr  Bestreben  nicht,  die  Stellen  häufig  zu
besetzen,  sondern  die  geeigneten  Kräfte  auszusuchen.  Die  Sichtung
auf  beiden  Seiten  kann  scharf  durchgeführt  werden,  weil  ihnen  ihre
Personalkenntnisse  eine  sichere  Unterlage  bieten  und  bei  der  großen
Auswahl  viel  leichter  die  geeignete  Kraft  der  passenden  Stelle  zugeführt
werden  kann.  Die  Leitung  ist  auch  über  die  Lage  der  Arbeitgeber  so
genau  unterrichtet,  daß  sie  imstande  ist,  ihre  Mitglieder  vor  unliebsamen
Erfahrungen  zu  bewahren;  vielfach  werden  genaue  Listen  über  die
einzelnen  Geschäftshäuser  geführt,  die  durch  Auskünfte  der  Mitglieder
dauernd  ergänzt  werden.  Da  die  Angestelltenvereine  möglichst  nur  gute
Kräfte  unterbringen  und  schlechte  Stellen  ausschließen,  so  besteht
hierin  eine  Möglichkeit,  ihr  Ziel,  das  „auf  die  Hebung  der  gesellschaftlichen ­
  und  wirtschaftlichen  Lage  der  Handlungsgehilfinnen“  gerichtet
ist,  allmählich  durchzusetzen.
Sehr  oft  befassen  sich  auch  die  kaufmännischen  Unterrichtsanstalten ­
  mit  Arbeitsnachweis,  doch  bringen  sie  nur  ihre  Schülerinnen
unter.  Diese  Art  der  Vermittlung  kann  von  großem  Nutzen  sein,  denn
im  allgemeinen  muß  der  Leiter  einer  solchen  Anstalt  die  Leistungen
und  Fähigkeiten  seiner  Schülerinnen  ziemlich  genau  kennen.  Leider
wächst  sich  diese  Art  der  Stellenvermittlung  immer  mehr  zu  einem
Konkurrenzmanöver  aus.  Das  Versprechen,  nach  Beendigung  des
Kurses  eine  Stellung  zu  vermitteln,  wird  als  Lockmittel  zum  Besuch
der  Anstalt  benutzt.  Der  Wettbewerb  der  einzelnen  Schulen  veranlaßt
die  Inhaber  dann,  auf  jede  Auswahl  zu  verzichten,  um  augenscheinlich
ihr  Versprechen  einzulösen.  Durch  derartige  Unternehmungen  wird
die  Arbeitslosigkeit  eher  vermehrt  als  vermindert,  da  in  den  seltensten
Fällen  auf  diese  Art  Dauerstellungen  gefunden  werden.  In  der  Aussicht,
nach  Absolvierung  des  Kurses  unterzukommen,  liegt  eine  große  Verlockung, ­
  sich  der  kaufmännischen  Tätigkeit  zuzuwenden,  für  Kräfte,  die
später  sich  als  ungeeignet  ausweisenund  keinUnterkommenfindenkönnen.
Die  gemeinnützigen  Anstalten  müssen  hiervon  ausgenommen
werden,  da  ihr  Wirken  jeden  selbstsüchtigen  Nebenzweck  ausschließt.
Bei  der  Stellenvermittlung  ist  von  einem  gesetzlichen  Eingreifen
geringer  Erfolg  zu  erwarten;  nur  Selbsthilfe  kann  hier  günstig  wirken,
deshalb  muß  das  Ziel  darauf  gerichtet  werden,  die  Vereinstätigkeit
immer  weiter  auszubauen  und  die  gesamte  kaufmännische  Stellenvermittlung ­
  in  den  Nachweisen  der  Vereine  zu  konzentrieren.

n.

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