Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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tätsfortschritte  aufzuweisen,  meist  aber  außerhalb  des  Rahmens  des
zünftigen  Handwerks.  In  der  Eisenindustrie  z.  B.  vollzog  sich  im  15.  Jahrhundert ­
  der  Übergang  vom  Stückofen  zum  Hochofen  und  begann  die  Anwendung ­
  von  Wasserkraft  zum  Bewegen  größerer  Blasebälge.  So  erhielt
man  an  Stelle  der  Luppe  flüssiges  Roheisen 1 ).  Die  erste  Wanderung  der
Eisenindustrie  von  den  Stätten  der  Erz-  und  Holzkohlegewinnung  zu  den
Wasserläufen  begann.  Die  Aufbereitung  der  Erze  durch  Pochen  mit
Wasserhämmern  und  Schlemmen  verbesserte  ebenfalls  die  Ausbeute.  Die
Verarbeitung  des  Eisens  erhielt  mächtige  Anregung  vor  allem  durch  die
Anforderungen  der  Kriegstechnik.  Im  16.  Jahrhundert  stoßen  wir  auf  die
ersten  Anlagen  zum  Walzen  des  Eisens *  2 ).  Ferner  sehen  wir,  wie  die  fortschreitende ­
  Technik  ganz  neue  Industriezweige  ins  Leben  ruft,  z.  B.  die
Stärkegewinnung,  die  Tabakbereitung,  die  Porzellan-,  Fayence-  und  Steingutfabrikation, ­
  die  Zuckerraffinerie  usw.  Der  Raum  für  wirtschaftliche
Betätigung  und  die  Kaufkraft  wuchs  auch  durch  diese  Fortschritte.  Wie
wenig  sie  aber  einer  neuen  Gewerbefreiheit  den  Weg  zu  bahnen  vermochten,
zeigt  die  Tatsache,  daß  diese  neuen  Fabrikationszweige  meist  nur  durch
tatkräftige  Unterstützungen  der  Regierungen  mittels  Privilegien  aller  Art
entstanden.
Die  Produktivitätsfortschritte  im  Handel  und  Verkehr  und  im  Gewerbe ­
  reichten  nicht  aus,  dauernd  das  Verhältnis  von  Angebot  und  Nachfrage ­
  so  stark  zugunsten  des  Angebotes  zu  beeinflussen,  daß  nur  durch
Sprengung  der  alten  Gebundenheit,  durch  vollständige  Entfesselung  der
Produktionskraft  die  Bedarfsdeckung  ermöglicht  worden  wäre.  Dieser
Umschwung  vollzog  sich  erst  seit  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts,
seitdem  der  ununterbrochene  weitere  Fortschritt  auf  allen  Gebieten  die
im  ganzen  immer  noch  vorherrschende,  geschlossene  Stadtwirtschaft  in
die  Nationalwirtschaft  und  die  Weltwirtschaft  überführte.  Der  gewaltige
Sprung  vom  lokalen  Markt  zum  nationalen  Markt  und  Weltmarkt  deutet
schon  an,  welche  enorme  Vermannigfaltigung  und  Vermehrung  der  Güter,
welche  Steigerung  der  Erzeugungskraft  stattgefunden  haben  muß.  Dieser
enorme  Fortschritt,  der  das  ganze  Wirtschaftsleben  auf  eine  neue  Basis
stellte,  war  in  erster  Linie  dem  Unternehmertum  und  der  modernen  Technik
zu  verdanken.
Überall  sehen  wir  in  der  Übergangszeit  die  Unternehmung  aus  den
handwerksmäßigen  Betrieben  herauswachsen.  Diejenigen  Leiter  oder  Besitzer ­
  der  kleinen  Betriebe,  die  die  Marktverschiebungen  richtig  erfaßten,

>)  Beck,  Geschichte  des  Eisens  Bd.  II  S.  177.
2 )  Beck,  Bd.  II  S.  951,  Bd.  III  S.  245.
            
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