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heitlicher Leitung wurden die zersplitterten Produktionsstätten zusammen
gefaßt unter einem Dach, in einem geschlossenen Betrieb. Wie sich in
Italien zuerst das Verlagsystem entfaltete, so können wir hier die Manu
faktur am weitesten, bis ins Mittelalter, zurückverfolgen. Stärker tritt
sie im 17. und 18. Jahrhundert hervor.
So haben die Fortschritte in Handel und Verkehr zwei neue Orga
nisationsformen im Gewerbe hervorgerufen, die sich aber noch auf die
alte Handwerkstechnik stützen: Verlagsystem und Manufaktur. Im
dezentralisierten und zentralisierten Großbetrieb tritt uns eine besondere,
eine höhere Form der Erwerbswirtschaft entgegen, in der sich das Erwerbs
prinzip auswirkt im Großbetrieb: die Unternehmung, jene Organi
sationsform, die sich allmählich das ganze Wirtschaftsleben erobert. Unter
Erwerbswirtschaft verstanden wir jene Wirtschaft, die durch Produktion
für fremden Bedarf die Gewinnung des eigenen Lebensunterhaltes bezweckt.
,,Die Erwerbswirtschaft macht dann die Metamorphose zur Unternehmung
durch, wenn der Betrieb so umfangreich wird, daß die Tätigkeit seiner
Leitung und Verwaltung allein schon die ganze Arbeitskraft mindestens
einer Person erfordert 1 ).“ In der Unternehmung ist eine vollständige
Scheidung zwischen der organisatorischen oder dispositiven Arbeit und
der ausführenden, der körperlichen Arbeit durchgeführt. Wo in der Land
wirtschaft, im Gewerbe und im Handel der Betrieb eine solche Größe
erreicht hat, daß eine vollständige Teilung zwischen dispositiver und
exekutiver Arbeit durchgeführt werden muß, geht er in die landwirtschaft
liche, industrielle oder kaufmännische Unternehmung über. Auch die
Unternehmung sucht einen Ertrag zu erwirtschaften durch Produktion
für fremden Bedarf. Da aber nur der unternehmungsweise Betrieb geeignet
ist, die Erzeugung und den Absatz für den interlokalen Markt zu über
nehmen, so liegt es auf der Hand, daß die Zunftorganisationen an Be
deutung verlieren, je mehr der ferne Markt den lokalen überwiegt. Nicht
beachtung oder Zerbrechen der Zunftorganisationen bedeutet aber noch
nicht Gewerbefreiheit. Das zeigen schon die Konkurrenzregulierungen,
die auch das Verlagsystem nicht entbehren konnte. Und als die Manu
faktur größeren Umfang annahm, da begann auch schon jene neue Ära
der Produktivitätsfortschritte, die nicht wenig durch die Manufaktur ge
fördert wurde, da das Zusammenarbeiten vieler in geschlossenem Betriebe
wesentlich zur Arbeitsteilung und Ersetzung der Teilarbeiter durch Ma
schinen anregte.
Nicht nur. im Handel und Verkehr, sondern auch im Gewerbe
hatten die Jahrhunderte der mittelalterlichen Gebundenheit Produktivi-
*) Pohle, Unternehmerstand S. 7.