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die nötige Initiative, das Organisationstalent und die Willenskraft besaßen,
stiegen empor und allmählich unter steter Benutzung der Geschäfts
gewinne — solange andere Kapitalquellen noch nicht zur Verfügung
standen — dehnten sich ihre Betriebe zu immer größeren Unternehmungen
aus. Das wichtigste Hilfsmittel zur Schaffung, Eroberung und Beherrschung
des Marktes war zunächst die moderne Technik 1 ).
Die moderne Technik hat überall die Schranken durchbrochen, die
das Wirtschaftsleben einengten. Die Voraussetzung ihrer Entfaltung war
die fortschreitende naturwissenschaftliche Erkenntnis. Sobald es möglich
war, die physikalischen und chemischen Prozesse so klarzulegen, daß ihr
Verlauf sich in eine einfache mathematische Formel fassen ließ, konnte
man auch die Wirksamkeit jedes einzelnen Faktors in den Prozessen auf
das Resultat verfolgen, und war somit in der Lage, Wege ausfindig zu
machen, um die Prozesse rationeller zu gestalten. Die Ersparung an
Arbeitskräften, Material, Zeit und Raum war die Folge.
Weit rascher, vollkommener und sparsamer, als es die einzelnen
Arbeitskräfte nach der alten Technik vermochten, vollführen Arbeits
maschinen und Kontrollapparate wichtige Funktionen bei der Erzeugung;
gewaltige Kraftmaschinen aller Art heben die Leistungen weit über
den alten Stand hinaus. Arbeitskräfte und Rohstoffe werden erspart,
die neuen Beschäftigungen zugeführt werden können. Aber auch tierische
Kräfte werden entbehrlich, wodurch in letzter Linie Bodenflächen, die
sonst der Ernährung dieser Tiere dienen müßten, für andere Zwecke ver
fügbar werden. Neue Stoffe und Verfahrungsweisen stellt die moderne
Technik zur Verfügung und diese ermöglichen eine außerordentliche Ver-
mannigfaltigung der Erzeugung. Während das Gewerbe des Mittelalters
größtenteils organische Stoffe, die die Landwirtschaft und der Wald
lieferten, verarbeitete, gewinnen jetzt die anorganischen Stoffe an Be
deutung und verdrängen in immer größerem Ausmaße die alten organischen
Stoffe. Dadurch werden wiederum weite Landflächen, die sonst der Er
zeugung der organischen Rohstoffe für das Gewerbe dienen mußten,
anderen Kulturen zugeführt und das Gewerbe wird von den Fesseln befreit,
die die Größe der Produktionskraft und die Länge der Wachstumsperiode
in der Land- und Forstwirtschaft ihm anlegte. Also Raumersparnis auf
der einen Seite, Zeitersparnisse und eine erheblich größere Elastizität der
gewerblichen Erzeugung auf der anderen Seite.
Am augenfälligsten sind die Erfolge der modernen Technik im Gewerbe.
Aber die Landwirtschaft hat auch Nutzen aus der Entwicklung der Technik
gezogen. Außerdem hat die klare Erkenntnis der biologischen Prozesse
h Hierzu: Sombart, Deutsche Volkswirtschaft im 19. Jahrhundert S. i53ff..