bewerber den Bedarf übersteigt, wo die Preise die Kosten nicht decken,
wird ein Teil, vor allem der schwächere, verdrängt, bis normale Verhältnisse
eingetreten sind. Entspricht diese Auffassung der Wirklichkeit,
dann muß die freie Konkurrenz die wirtschaftlichen Kräfte dorthin lenken,
wo sie am wirksamsten sind, der größte Gesamterfoig mit dem geringsten
Aufwand erreicht wird.
Doch diese Rolle, als Regulator des Wirtschaftslebens, vermag der
ungebundene Wettbewerb nur bedingt zu erfüllen. Für die erste Zeit der
großen Umwälzung, in der auch die Lehren der klassischen Nationalökonomie
entstanden, trifft diese Auffassung zu. Solange es sich noch um
kleine Unternehmungen mit geringer Maschinenverwendung handelt, die
zu ihrer Errichtung nur verhältnismäßig geringe Kapitalien bedürfen und
aus denen diese Kapitalien, wenn auch mit Verlust, so doch zum größten
Teil herausgezogen werden können, vermag die freie Konkurrenz — allerdings
unter der Voraussetzung, daß sich den verdrängten Wettbewerbern
stets neue Arbeitsgelegenheit bietet — jene gesunde Anpassung von Angebot
und Nachfrage zu erzwingen. Je mehr die festgelegten Kapitalien
wachsen, ändert sich das Bild. Man kann vielleicht sagen, daß zum erstenmal
klar die Allgemeingültigkeit der Lehre von den segensreichen Wirkungen
der freien Konkurrenz dort widerlegt wurde, wo zwei Eisenbahnlinien
miteinander in Wettkampf traten. Verleiten die guten Erträge einer
Eisenbahn zum Bau einer Konkurrenzlinie, so ist die Folge ein lang anhaltender
Kampf um die Frachtsätze, der mindestens zum finanziellen
Zusammenbruch einer Bahn, meist aber beider Bahnen führt und auch in
die geschäftliche Tätigkeit der Verfrachter, infolge der stets schwankenden
Tarifsätze und der differentiellen Behandlung, eine große Unsicherheit
hinein trägt. Auch die Schiffahrt, vor allem die Seeschiffahrt, kennt zahlreiche
Beispiele für die verderblichen Folgen der freien Konkurrenz. Im
Gewerbe liegen die Verhältnisse überall dort nicht anders, wo die Anlage
große Kapitalien und leistungsfähige Maschinen verlangt. Ein Kampf
führt auch hier nicht immer zu einem Ausscheiden der überzähligen Konkurrenten
und erst recht nicht, wenn die Unternehmungen annähernd
gleich stark sind. Die Produktion wird fortgesetzt, auch wenn die Preise
unter die Kosten herabgesunken sind, denn Stillegen würde gleichbedeutend
sein mit der Preisgabe fast des ganzen Kapitals. Das in Fabriksgebäuden,
Maschinen, Eisenbahnanlagen usw. angelegte Kapital läßt sich,
wenn überhaupt, so doch nur mit ungeheuren Verlusten wieder flüssig
machen. Ein augenfälliges Beispiel geben die Bergwerksanlagen. Einstellen
der Arbeit auf einem Kohlenbergwerk heißt Aufgeben des ganzen Bergwerks.
Aber auch im Falle des finanziellen Zusammenbruchs scheidet
häufig das Konkurrenzunternehmen nicht aus. Wird es zu einem Bruch