Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

teil  der  Anlagekosten  aufgekauft,  so  kann  es  dem  neuen  Besitzer  trotz
der  niedrigen  Preise  noch  einen  Gewinn  abwerfen.  Aber  vom  volkswirtschaftlichen ­
  Standpunkt  produziert  es  doch  zu  einem  Preise,  der  unter  den
wirklichen  Produktionskosten  steht.  Das  Endresultat  ist  in  diesem  Falle
nicht  eine  Milderung  des  Wettkampfes,  sondern  eine  Verschärfung. 1 )
Als  Resultat  ergibt  sich  also,  daß  überall  dort,  wo  sich  annähernd
gleich  starke  Gegner  gegenüber  stehen  und  wo  den  Überzähligen  beim  Ausscheiden ­
  aus  dem  Wettkampf  ein  weit  größerer  Verlust  droht  als  bei  der
Aufrechterhaltung  ihres  Unternehmens,  die  freie  Konkurrenz  die  Rolle  als
Regulator  des  Wirtschaftslebens  nicht  zu  spielen  vermag.  Dieser  Satz
hat  eine  viel  allgemeinere  Gültigkeit,  als  es  auf  den  ersten
Blick  scheint.  Die  Ergebnisse  sind  nur  besonders  auffällig  in  den  bisher ­
  gewählten  Beispielen,  wo  größere  festgelegte  Kapitalsummen  das  Ausscheiden ­
  des  Unternehmens  fast  unmöglich  machen.  Der  Besitzer  mag
wechseln,  das  Unternehmen  aber,  durch  den  Wechsel  gestärkt,  setzt  den
Kampf  fort.  Festgelegte  Kapitalien  sind  aber  keineswegs  das  einzige
Hindernis,  den  Wettkampf  aufzugeben.  Im  mittelalterlichen  Handwerk
z.  B.  standen  sich  annähernd  gleich  starke  Gegner  gegenüber  und  auch
hier  zeigte  sich,  nachdem  sich  der  große  Fortschritt  von  der  Hauswirtschaft ­
  zur  Stadtwirtschaft  vollzogen  hatte,  daß  neue  Erwerbsgelegenheiten ­
  immer  schwerer  zu  finden  waren,  daß  mit  anderen  Worten  den
überzähligen  Handwerkern  größere  finanzielle  und  soziale  Verluste  drohten,
wenn  sie  ihre  Tätigkeit  aufgaben,  als  wenn  sie  zu  unzureichenden  Preisen
den  Wettkampf  fortsetzten.  Auch  hier  erwies  sich  die  freie  Konkurrenz
nicht  als  ein  ökonomischer  Leiter  des  Wirtschaftslebens,  auch  hier  vermochte ­
  sie  nicht  zu  verhindern,  daß  die  Preise  dauernd  unter  die  Produktionskosten ­
  zu  sinken  drohten.
Die  große  Mission  der  freien  Konkurrenz  liegt  auf  einem  ganz  anderen
Gebiet  und  nur  soweit  sie  diese  Aufgabe  zu  erfüllen  vermag,  darf  sie  sich
auch  die  Rolle,  Regulator  des  Wirtschaftslebens  zu  sein,  anmaßen.  Sie
soll  den  großen  Fortschritten  im  Wirtschaftsleben  den  Weg
bahnen  und  die  Vorteile,  die  sie  den  Pfadfindern  und  Organisatoren ­
  ermöglichen,  rascher  der  Allgemeinheit  ausliefern.  Jeder
neue  Konkurrent  trägt  den  Fortschritt  in  weitere  Kreise  und  hilft  den
Preis  auf  die  Kosten  herabzudrücken.  Aber  nur  dort,  wo  es  gilt,  große
Produktivitätsfortschritte  zum  Nutzen  der  Allgemeinheit  auszubeuten,  ist
die  freie  Konkurrenz  am  Platze.  Je  mehr  aber  die  wirtschaftliche  Gesamten ­
  twicklung  langsamere  Bahnen  einschlägt,  desto  mehr  zeigt  sich
b  Vgl.  hierzu,  Cassel,  Kartell-  och  trustväsendet  frän  social  ekonomisk  synponkt.
  Ekonomisk  Tidskrift  1901  Haft  12.
            
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