Full text : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

Am  Persönlichkeitsfaktor  werden  die  Organisationsbestrebungen  nicht
scheitern.  Wir  müssen  also  nach  einem  anderen  Grund  suchen,  um  zu  erklären, ­
  warum  die  vertikalen  Kombinationsbestrebungen  in  manchen  Produktionszweigen ­
  an  Kraft  einbüßen.
Von  der  Größe  des  Nutzens  hängt  die  Stärke  der  Kombinationsbestrebungen ­
  ab.  Die  Frage  nach  dem  Nutzen  muß  in  dem  eben  behandelten ­
  Beispiel  sowohl  an  die  Maschinenfabriken  als  auch  an  die  Stahlwerke ­
  gestellt  werden.
In  allen  Industriezweigen,  in  denen  große  Massen  gleicher  Produkte
auf  mehr  oder  minder  automatischem  Wege  hergestellt  werden,  spielen
in  der  Produktionskostenberechnung  die  Maschinen  und  die  Rohstoffe
eine  entscheidende  Rolle,  während  der  Arbeitsfaktor  mehr  zurücktritt.
In  den  Betrieben  der  Individualarbeit  dagegen  z.  B.  in  den  Maschinenfabriken, ­
  wo  in  den  Konstruktionsbureaus  und  in  den  einzelnen  Werkstätten ­
  fast  für  alle  Einzelteile  einer  Maschine  individuelle  Arbeit  geleistet
werden  muß,  steht  der  Arbeitsfaktor  in  der  Kostenberechnung  an  erster
Stelle  und  übertrifft  die  Bedeutung  der  Rohstoffe  und  Halbprodukte.
Haben  aber  die  Preise  der  Produkte  der  Vorstufe  einen  geringeren  Einfluß
wie  in  den  Betrieben  der  Massenfabrikation,  so  ist  selbstverständlich  auch
der  Drang  zur  Angliederung  dieser  Produktionszweige  erheblich  geringer.
Nun  wird  der  Nutzen  noch  geschmälert.  Eine  große  Maschinenfabrik,  die
sich  alle  Vorstufen  der  Erzeugung  angliedert,  bildet  ein  gewaltiges  Unternehmen. ­
  Je  größer  der  Umfang,  desto  komplizierter  ist  auch  die  Organisation, ­
  die  alle  Teile  verbindet  und  ein  einheitliches  Arbeiten  ermöglichen
soll.  Daß  dieser  umfassende  Mechanismus  mit  größeren  inneren  Reibungen
zu  kämpfen  hat,  ist  einleuchtend.  Die  inneren  Reibungen  verursachen
aber  Kosten,  die  einen  Teil  des  Nutzens  wieder  aufzehren,  den  die  Kombination ­
  beschert  hat.
Wollen  wir  aber  vollständig  verstehen,  warum  der  Kombinationsdrang ­
  in  der  deutschen  Maschinenindustrie  so  gering  ist,  dann  müssen  wir
noch  einen  Blick  auf  die  Bezugsverhältnisse  ihrer  Arbeitsmaterialien
werfen.  Zum  Teil  bezieht  sie  ihr  Arbeitsmaterial,  Rohstoffe  oder  Zwischenprodukte ­
  aller  Art,  von  kartellierten  Unternehmungen.  Können  sich  die
Maschinenfabriken  infolgedessen  zeitweise  diese  Produkte  nur  zu  höheren
Preisen  beschaffen,  als  die  ausländischen  Konkurrenten,  so  liegt  darin  ein
erheblicher  Nachteil,  der  aber  dadurch  wesentlich  gemildert  wird,  daß
erstens  alle  konkurrierenden  inländischen  Fabriken  die  gleichen  Preise
zahlen  müssen,  und  zweitens  die  Konkurrenz  der  wenigen  kombinierten
Unternehmungen,  die  eigenes  Material  verarbeiten,  nicht  ins  Gewicht  fällt.
Zum  Teil  sind  die  von  den  Maschinenfabriken  bezogenen  Vorprodukte
nicht  kartelliert.  Dann  werden  die  Marktpreise  in  den  Jahren  des  Nieder ­
            
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