Full text : Inflation und Geldentwertung

Inflation  und  Steuern.

43

leichtert  und  gefördert  —  das  hingegebene  Kapital  zurückzuverschaffen. ­
  Das  alles  fällt  bei  der  Steuerentrichtung  fort.
In  der  Praxis  der  deutschen  Kriegswirtschaft  mußte  freilich  eine
solch  weitgehende  Steuerpolitik  auf  nicht  geringe  Schwierigkeiten
stoßen.  Bei  einer  Steigerung  der  indirekten  Steuern,  die  während
der  Kriegszeit  aus  politischen  und  wirtschaftlichen  Gründen  ohnehin
nur  schwer  durchzuführen  war,  konnten  die  Käufe,  wenn  nicht  der
gesamte  notwendige,  entbehrliche  und  Luxuskonsum  in  fein  abgestimmter ­
  Weise  von  der  Besteuerung  erfaßt  wurde,  leicht  nach  den
von  der  Steuer  weniger  betroffenen  Bedarfsgütern  abwandern  und
hier  die  Preise  steigern.  Vor  allem  konnte  der  —  mit  Rücksicht  auf
die  Verringerung  der  Preissteigerungen  zu  erstrebenden  —  Konsumeinschränkung ­
  in  der  Kriegswirtschaft  leicht  durch  Steigerung  der
Einkommen  von  seiten  der  Einzelwirtschaften  entgegen  gewirkt  werden. ­
  Diese  Einkommensteigerungen  waren  um  so  leichter  durchzusetzen, ­
  je  größer  und  dringlicher  der  Heeresbedarf  wurde,  bei
dem  es  je  nach  der  militärischen  Lage  mehr  auf  Steigerung  der
Produktion  als  auf  Innehaltung  bestimmter  Preise  und  Löhne  ankommen ­
  konnte.  Diese  Abwälzung  der  Steuer  —  letzten  Endes
auf  den  Käufer  der  hauptsächlichsten  Güter:  auf  das  Reich  —
konnte  aber  ebensogut  und  vielleicht  noch  besser  bei  den  direkten
Steuern  erfolgen.  Um  ihre  Einkommen  auf  der  alten  Höhe  zu  halten, ­
  konnten  die  Unternehmer  in  der  Zeit  der  großen  Nachfrage
nach  Kriegsgütern  die  eingetretenen  Steuererhöhungen  in  die  Verkaufspreise ­
  einkalkulieren,  die  Arbeiter  Lohnerhöhungen  durchsetzen, ­
  wenn  die  Verteuerung  der  Lebenshaltung  mit  einer  Dringlichkeit ­
  der  Güterherstellung  zusammenfiel.  Höhere  Löhne,  höhere
Preise  bedeuteten  aber  größere  Kaufkraft  der  Arbeiter  und  Unternehmer ­
  und  auf  der  anderen  Seite  höhere  Kosten  für  den  Heeresbedarf, ­
  höhere  Ausgaben  für  die  Staatskasse,  wodurch  die  von
den  Steuern  erstrebten  Wirkungen  auf  die  Kaufkraft  und  die
Preise  illusorisch  wurden.  Deshalb  war  es  nur  folgerichtig,  wenn
das  Reich  versuchte,  bei  der.  Festsetzung  der  Preise  für  die  wichtigsten ­
  Güter  mitzuwirken.  Inwieweit  es  im  einzelnen  gelungen
ist,  auch  nur  die  Preise  für  die  eigenen  Käufe  des  Reiches
auf  der  durch  das  Anwachsen  der  Kriegskosten  wie  der  Inflation ­
  bedingten  Höhe  zu  halten,  entzieht  sich  der  genauen
Kenntnis.  Jedenfalls  zeigen  zahlreiche  Einzelfälle,  daß  selbst  in
England,  wo  die  Kontrolle  der  Preise  und  Löhne  am  schärfsten
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.