Full text: Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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solche zulässig sein. Was die Kompetenzen betrifft, welche 
der Staat den Genossenschaften einzuräumen hat und die Rechte, 
die er ihnen gegenüber beanspruchen muß, so dürsten für die 
ersteren die vom Stickereiverbande verwirklichten Postulate 
Hitze's tvegleitend sein, während die Rechte des Staates gegen 
über solchen Verbänden sich in erster Linie ans ein Anfsichts- 
recht und in zweiter ans das Recht des obersten Schiedsrichters 
bei Anständen innert denselben erstreckten. In Betreff des 
Obligatoriums des Beitrittes jedes einzelnen Interessenten zum 
Bernfsverbande, wenn ein solcher zu Stande kam, braucht der 
Staat dieses Obligatorium nicht ausdrücklich festzustellen. Wenn 
man aber bedenkt, daß jeder dieser Bernfsverbände es in der 
Hand hat, auch den mächtigsten Berufsgenossen znm Beitritte 
zu zwingen und ihn schließlich dazu zwingen wird, so ivird 
man sich sagen müsseil, daß ein Obligatorium für den Beitritt 
existirt, auch wenn es nicht ausdrücklich als Gesetzesartikel 
vorhanden ist. Es wäre aber des Staates kaum würdig, ans 
der einen Seite das ausdrückliche Obligatorium zum Beitritte 
zii verleugnen, alls der andern aber den Genossenschaften 
Mittel und Wege an die Hand zu geben, dieses Obligatorium 
jeder Zeit und gegen wen immer zur Geltung zu bringen. 
Es ist vorhin bemerkt worden, daß die staatliche Gesetz- 
gebung über Berufsgenossenschaften, soweit es sich um deren 
Kompetenzen handelt, sich möglichst an die vom Stickerei- 
verbände gemachten Erfahrungen halten sollte, die sich in ge 
nauer Uebereinstimmung mit den Forderungen der heutigen 
sozialen Wissenschaft befinden. Die Möglichkeit, sich an die 
Verbandsergebnisse anzulehnen, ist um so eher vorhanden, als 
das, was in der Stickerei bei ihren unendlich vielgestaltigen 
und komplizirten Produktionsverhältnissen und bei ihren Absatz- 
verhältnissen, die sie fast ausschließlich auf den Weltmarkt an 
weisen, erreichbar war, bei Bernsen mit einfacheren Prodnktions- 
und Absatzverhältnissen leichter zu erreichen sein wird. 
Bei diesem Anlasse dürsten auch noch die neuesten An-
	        
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