Object : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Eilt  sehr!

Eilt  sehr!

Geehrter  Herr!
Heute  ist  Stadtverorduetemoahl  in  46.  Bezirk.

Agitation  bei  den  Wahlen,
bei  der  ja  immer  wieder  die
Grundsätze  einer  demokratischen ­
  Kommunal  -  Politik
unter  dem  Gesichtspunkt  der
Arbeiterklasse  in  den  Vordergrund ­
  gestellt  wurden,  und
die  unermüdliche  Betonung
dieser  Grundsätze  von  seiten
der  gewählten  Vertreter  in
den  Gemeinde  -  Versammlungen ­
  übten  auf  die  Länge
der  Zeit  denn  doch  eine  gewisse ­
  erzieherische  Wirkung
aus,  zumal  die  allgemeine
soziale  Entwicklung  die  sozialistischen ­
  Argumente  unterstützte. ­
  Das  ist  ja  die  große
Kraftquelle  der  sozialistischen
Agitation,  daß  sie  die  entscheidenden ­
  Tatsachen  des
Entwicklungsganges  der
Kulturvölker  für  sich  hat.
So  kann  in  unserer  Zeit
kein  Wahlsystem  den  Geist
der  Verwaltungskörper  so
konservieren,  daß  er  gegen
die  Rückwirkungen  des
draußen  flutenden  Lebens
und  die  Sprache  der  durch
diese  geschaffenen  neuen  Bedürfnisse ­
  und  Rechtsbegriffe
sozusagen  hermetisch  geschützt
wäre.  Was  lebt,  was  seine
Lebenskraft  aus  den  tatsächlichen  Verhältnissen  zieht,  das  drängt  als  öffentliches ­
  Bewußtsein  durch  die  Poren  selbst  der  festesten  Mauern,  durch  alle
Ritzen  und  Spalten  von  Türen  und  Fenstern  hindurch  in  die  Ratssäle
und  die  Amtsstuben  hinein.  Dies  um  so  mehr,  als  selbst  die  konservativsten
Parteien  bei  Gelegenheiten,  wo  das  System  der  Klassenwahl  sie  nicht
deckt,  mit  der  breiten  Volksmasse  zu  rechnen  haben.  So  nahmen  denn  mit
dem  Wachstum  der  Arbeiterklasse  und  ihrer  Organisationen  die  Gemeindebehörden ­
  den  Forderungen  der  Arbeitervertreter  gegmüber  —  die  einen
früher,  die  andern  später,  die  einen  mit  größerem,  die  anderen  mit  geringerem
Verständnis  —  nach  und  nach  eine  weniger  starr  ablehnende  Laltung  ein,
als  in  der  ersten  Zeit,  und  ergriffen  hier  und  da  sogar  einmal,  durch  das
Beispiel  anderer  Orte  angeregt,  für  irgendeine  Neuerung  auf  diesen  Gebieten ­
  selbst  die  Initiative.  Dazu  nötigte  auch  gelegentlich  die  Sozialpolitik
des  Reiches,  bei  der  die  Agitation  der  Sozialdemokratie  zugestandenermaßen
die  hauptsächliche  Triebkraft  gebildet  und  sozialen  Begriffen  Kurs  gcge  cn

Sie  haben  3hr  Wahlrecht  noch  nicht  ausgeübt!
Auf  3hre  Stimme  kommt  es  heute  an!
Eilen  Sie  zur  Wahl!  Sie  tragen  sonst  mit  die  Ver.
ontwortung.  wenn  der  Vertreter  der  Werktätigen  Bevölkerung,  de«
Kandidat  der  Sozialdemokratie,  unterliegt.  Geben  Sie  sofort  Ihre
-Stimme  ab  für  den
Stadtverordneten  Dr.  R.  Mmeeht
Thomafiusstraße  15«
Sie  sind  eingetragen  unter  der  auf  dem  Kuvert  vermerkten
Nummer,  die  Sie  dem  Wahlvorsteher  bei  Abgabe  Ihrer  Stimme
zwecks  Erleichterung  des  Nachschlagens  angeben  wollen.
Ihr  Wahllokal  befindet  sich
Perlebergerstratze  26,  „Artus-Hof".
Kleiner  Parterre-Saal.
Versehen  Sie  sich  mit  ausreichender  Legitintation  —  die  vom
Magistrat  zugesandte  Wahlkarte.  Ihren  Steuerzettel,  Militärpapiers
oder  Mietskontrakt.  Bei  der  Frage  nach  der  Wohnung  ist  die  am
l.  Juli  dieses  Jahres  innegehabte  anzugeben.
Ihre  Stimme  ist  die  eine,  auf  die  eS  ankommt.  Darum
kommen  Sie  sofort,  eilen  Sie,  um  obengenannten  Kandidaten
der  Sozialdemokratie  zu  wählen!
Hochachtungsvoll
Dar  sozialdemokratisch«  Wahlkvmiter.

104.  Letzte  Mahnung  an  die  säumigen  Wähler
            
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