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Vorträge gehalten wurden. Am diese Zeit konnte man auch dazu übergehen,
größere und besser ausgestattete Theater zu mieten.
Größere Erregung als dieser Eingriff von außen hatte eine innere
Krisis zur Folge, zu der es im Sommer 1892 kam. Bis dahin hatte die
Leitung der „Freien Volksbühne" überwiegend aus Personen bestanden,
welche zu den „Jungen" der deutschen Sozialdemokratie gehörten und nach
dem Erfurter Parteitag vom Oktober 1891 sich der Gruppe der „Anabhängigen"
angeschlossen hatten. Bruno Wille, der Vorsitzende, Bernhard
Kampffmeyer, der Schriftführer, und Karl Wildberger, der Kassierer
der „Freien Volksbühne", waren leitende Mitglieder der Bewegung der
„Anabhängigen", in deren Organ, „Der Sozialist", wie in ihren Versammlungen
die Partei auf das schärffte bekämpft wurde. Die übergroße
Masse der Mitglieder aber gehörten der sozialdemokratischen Partei an,
und so wurde es geradezu unvermeidlich, daß die Gegensätze in der einen
oder der anderen Form auch hier zu Zusammenstößen führten, da viele
Parteimitglieder es unangenehm empfanden, einen Vorstand zu haben,
dessen Mehrheit in ihren Augen Abtrünnige der Partei waren. Indes
scheute man doch davor zurück, Wille seines Amtes zu entsetzen, da man
ihm Verdienste um die „Freie Volksbühne," die ja in gewissem Sinne
sein Kind war, weder bestreiten konnte noch mochte. Dagegen ward in
der Generalversammlung vom 14. Juli 1892, während Wille einstimmig
wiedergewählt wurde, wenigstens an Stelle Karl Wildbergers ein Mitglied
der sozialdemokratischen Partei, der Kaufmannsgehilfe Julius Türk,
zum Kassierer ernannt.
Damit war indes der Pecht in den Karpfenteich gesetzt. Julius Türk,
damals ein eifriger Sozialdemokrat und literarisch nicht unbegabt, kam bald
mit Wille und Kampffmeyer in Konflikt, und als der Streit weitere Kreise
zog, riefen diese in einem gegen Türk gerichteten Flugblatt die Mitglieder
zu Schiedsrichtern an. In einer zur Besprechung des Konflikts einberufenen
Generalversammlung, die am 4. Oktober 1892 stattfand, warfen sie Türk
und dessen Parteigängern vor, sie wollten die „Freie Volksbühne", die doch
lediglich eine volkspädagogische Bildungsstätte sein sollte, zu einer „parteipolitischen
Anstalt" machen, eine Anklage, die von der Gegenseite als eine
Denunziation betrachtet und bezeichnet wurde und Proteste gegen die
„Äcrrschaft des Literatentums" in der „Freien Volksbühne" hervorrief. Bis
tief in die Nacht zog sich die sehr erregte Debatte hin und ward dann auf
den 11. Oktober vertagt. Als in dieser zweiten Versammlung verhältnismäßig
früh Debatteschluß angenommen wurde, obwohl Wille erklärt hatte,
Kampffmeyer habe noch wichtige Tatsachen anzuführen, traten die zwei
Genannten unter Niederlegung ihrer Ämter aus der „Freien Volksbühne"
aus, desgleichen sechs von den acht Mitgliedern des Sachverständigen-Ausschusses
und eine große Anzahl einfacher Mitglieder. Selbst Leute,
die im übrigen stramm zur Partei hielten, erklärten das gegen Wille und
Genossen beobachtete Verfahren nicht gutheißen zu können und traten vorübergehend
aus der „Freien Volksbühne" aus. Ebenso nahm fast die gesamte
bürgerliche Presse für Wille Partei. Aber hier sprach meist nicht echte
Anparteilichkeit, sondern Feindschaft gegen die Sozialdemokratie das Arteil.
Wille und seine Freunde riefen nunmehr eine „Neue Freie Volksbühne"
mit einem Statut ins Leben, das einen erheblich weniger demokratischen