Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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dank  der  Haltung  der  Vereinigten  Liberalen  (Nationalliberale  und  Freisinnige), ­
  auch  hier  konservativ.  Folgendes  die  Verteilung  der  Arwählerstimmen
im  ganzen  Kreis:  ,.  Klaffe  11.  Klaffe  in.  Klaffe  Insgesamt  -
für  sozialdemokratische  Mahlmänner  63  i  509  31  808  33  380
„  liberale  „  814  1  539  2  326  4  679
„  konservative  „  1  255  3  923  10  307  15  485
Für  die  sozialdemokratischen  Wahlmänner  hatten  mehr  als  doppelt  so
viel  Arwähler  gestimmt  als  für  konservative,  !unt>  über  siebenmal  so  viel
als  für  liberale  Wahlmänner.  Von  den  insgesamt  2573  Wahlmännern
aber  hatten  bei  der  Abgeordnetenwahl  die  Konservativen  1010,  die  Liberalen ­
  836  und  die  Sozialdemokraten  nur  654.  Diese  Gruppierung  hätte
es  indes  immer  noch  möglich  gemacht,  den  Heimfall  der  beiden  Mandate
des  Kreises  an  die  Konservativen  zu  verhindern,  wenn  die  Liberalen  sich
dazu  hätten  entschließen  können,  mit  den  Sozialdemokraten  eine  Vereinbamng
  dahin  zu  treffen,  daß  jede  der  beiden  Parteien  für  einen  eigenen
Kandidaten  und  einen  der  andern  Partei  stimmte.  Im  Hinblick  auf  diese
Möglichkeit  hatte  einige  Tage  vor  der  Wahl,  am  14.  November,  der  Vorstand ­
  des  sozialdemokratischen  Zentralwahlkomitees  an  den  Wahlausschuß
der  Vereinigten  Liberalen  einen  Brief  geschrieben,  in  dem  es,  nach  einem
einleitenden  Hinweis  auf  das  Resultat  der  Arwahl,  hieß:
„Wir  sind  nun  bereit,  auf  Grund  der  Beschlüsse  unserer  Gesamtpartei ­
  mit  Ihnen  in  Verhandlungen  über  ein  gemeinsames  Vorgehen
einzutreten,  und  zwar  würden  wir  für  unser  Eintreten  zugunsten  eines
Ihrer  Kandidaten  die  Wahl  eines  sozialdemokratischen  Abgeordneten
verlangen,  während  wir  im  Fall  der  Ablehnung  dieser  Forderung  uns
bei  der  Stichwahl  der  Abstimmung  enthalten  würden."
Das  war  ebenso  bündig  wie  offen  und  ehrlich,  und  Leute  mit  demokratischem
Empfinden  hätten  sich  sagen  müssen,  daß  derPartei,  für  die  nahezu  zweiDrittel
der  Arwähler  gestimmt  hatten,  das  eine  Mandat  des  Kreises  von  Rechts
wegen  gebühre.  Anders  die  Führer  der  Vereinigten  Liberalen.  Sie  sandten
dem  sozialdemokrattschen  Zentralwahlkomitee  folgende  Antwort:
„Auf  das  gefällige  Schreiben  vom  14.  d.  M.  erwidern  wir  Ihnen
ergebenst,  daß  unsere  Wahlmänner  auf  die  Namen  der  Leeren  Justizrat
  Reinbacher  und  Kammergerichtsrat  Dr.  Karsten  gewählt  sind,  und  daß
wir  eine  Änderung  dieser  Grundlage  des  ganzen  Wahlkampfes  vorzunehmen
  nicht  beabsichtigen.
Wir  hoffen  zuversichtlich,  über  die  konservativen  Gegner  zu  siegen,
und  wir  müssen  der  sozialdemokrattschen  Partei  die  Verantwortung  vor
den  Wählern  und  dem  preußischen  Volk  überlaffen,  den  Wahlkreis,  der  der
freiheitlichen  Richtung  mit  Sicherheit  erobert  werden  kann,  fernerhin  den
Reaktionären  zu  überlassen  und  dadurch  namentlich  auch  der  so  dringend  notwendigen ­
  gerechten  Reform  des  Wahlrechts  ein  Lindernis  zu  bereiten."
Mit  anderen  Worten,  die  Partei,  für  die  noch  nicht  der  zehnte  Teil  der
zur  Wahl  gegangenen  Arwähler  des  Kreises  gestimmt  hatten,  und  die  nur
ein  Drittel  der  Wahlmänner  verttat,  reklamierte  die  beiden  Mandate  des
Kreises  für  sich  und  verlangte  die  bedingungslose  Abstimmung  der  Sozialdemokraten ­
  für  ihre  Kandidaten  in  dem  gleichen  Atemzuge,  wo  sie  zu
verstehen  gab,  daß  sie  eher  den  Wahlkreis  den  von  ihr  selbst  so  bezeichneten
„Reaktionären"  überlassen  würde,  ehe  sie  den  billigen  Vorschlag  der  Sozialdemokraten ­
  auf  Abtretung  eines  der  zwei  Mandate  in  Betracht  zog.  Eine
            
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