Dagegen wird man keinen Augenblick darüber im Zweifel fein
dürfen, daß die Bernfsgenossenschaften mit den wirthschaft-
lichen Doktrinen der sogenannten großen Revolution im aus
gesprochenen Gegensatz sich befinden müssen, sollen sie nicht
ein letztes mageres Vorspannpferd der Unordnung und Aus
schweifung in Arbeit und Produktion werden. Soll etwas
erreicht werden, muß der Staat schöpferisch und refvrmirend
Hand anlegen und zum Ordnnngs- und Sittlichkeitsgesetze
in Arbeit und Produktion zurückgreifen, deren Störung jc-
meilen auch die Störung des mirthschastlichen Mechanismus
und seiner natürlichen Grundgesetze in sich schloß. Nicht die
kleinste Lehre, welche die Verbandsgeschichte bietet, liegt darin,
daß eine der modernsten aller Industrien in Bezug auf Technik
und Absatz die volle Anwendung dieses Sittengesetzes nicht
ausschließt, derart eine praktische Bestätigung der Worte von
Prof. Bruder*) bildend: „Man kann es nicht oft genug wieder
holen: Nicht die technischen Veränderungen zerstörten das
Organisationsprinzip in Arbeit und Produktion. Es ist die
durch Depravirnng des Rechtsbewnßtseins entstandene Unfähig
keit der alten deutschrechtlichen Organisation der Arbeit, sich
dell technischen Aenderungen, Maschine und Großbetrieb, ge
mäß zu erlveitern. Es gliche dem Zorne des Kindes, das
den Tisch schlägt, an den es gestoßen, wollte mün für den
Untergang des christlich-deutschen Arbeitsrechtes die Gott
wohlgefälligen Erfindungen verantwortlich machen.
Denken wir, die gewerbliche Korporation hätte seiner Zeit in
alter Elastizität sich ben Neuerungen der Technik und den
durch sie bedingten verällderten Verhältnissen angeschlossen,
die moderne Kluft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
wäre vermieden worden." Eine sechsjährige Arbeitsleistung des
Stickereiverbandes bestätigt Wort für Wort dessen, was der
deutsche Gelehrte hier sagt.
Resulnirend seien die Ergebnisse des Stickereiverbandes
*) Staatslexikon, herausgegeben von der Görresgesellschaft re. re.