$ 42. Die Probleme der Münzzirkulation. 57
undurchführbar. Jede größere Abweichung vom Normalpreise ist
immerhin als eine Unvollkommenheit der Goldwährung zu betrachten.
Eine Abweichung nach oben ist gleichbedeutend mit einer Unvoll-
kommenheit der umlaufenden Münzen, eine Abweichung nach unten
it der Erhebung einer Prägegebühr. Jede Verminderung solcher Ab-
eichungen bedeutet einen Fortschritt in der Richtung einer konsequent
durchgeführten Goldwährung.
Die Möglichkeit einer Variation des Goldpreises ist insofern theore-
tisch bedeutungsvoll, als sie zeigt, daß die Preisskala auch bei einer
Goldwährung eine selbständige Existenz hat, daß die Rechnungseinheit
auch hier eine rein abstrakte Einheit, nicht etwa eine gewisse Gewichts-
menge Gold ist. Das Primäre in der früheren deutschen Währung war
die Markrechnung. Die ganze Preisbildung vollzog sich in dieser und
sämtliche Zahlungsverpflichtungen wurden in derselben eingegangen.
Die Einheit dieser Rechnung, die Mark, war eine selbständige Größe.
Nur ist die Preisbildung in einer solchen Einheit dadurch begrenzt, daß
sie nicht veranlassen darf, daß der Goldpreis über oder unter gewissen
Grenzen sich bewegt. Die Variationen des Goldpreises in der Gold-
währung haben auch praktische Bedeutung, wie sich beim Studium der
internationalen Zahlungen zeigt ($ 61). ".
Nachdem die Goldwährung schon im Anfang des neunzehnten Jahr-
hunderts von England eingeführt war, gewann sie seit den siebziger
ahren allgemeine Verbreitung, zunächst in den westeuropäischen
Ländern, dann in der ganzen Welt. In gewissen Ländern hat man jedoch
die volle Zahlungskraft des früheren Silbergeldes nicht vollständig auf-
geben wollen. So z. B. in Frankreich, wo die silbernen Fünffrank-
stücke als gesetzliches Zahlungsmittel mit voller Zahlungskraft be-
halten wurden. Obwohl dieses Silbergeld nicht einlösbar war, behaup-
tete es in der Hauptsache seine Parität mit dem Goldgeld, wenn auch
bei Zahlungen nach dem Auslande meistens kleine Prämien für Gold-
geld bezahlt wurden. Die Möglichkeit dieser Parität erklärt sich durch
die Knappheit des Silbergeldes, das bei weitem nicht genügte, um den
Zahlungsmittelbedarf zu decken. Wenn aber das Goldgeld immer in
Anspruch genommen werden muß, richtet sich der Münzwert nach dem
Metallwert der teueren Münze (vgl. unseren zweiten Satz über die
Münzzirkulation). Eine Goldwährung, bei der in dieser Weise ein un-
einlösbares Silbergeld mit voller Zahlungskraft beibehalten worden ist,
nennt man eine hinkende Goldwährung.
Derstarke Rückgang des Silberpreises, der seit den siebziger Jahren
Is Folge stark gesteigerter Silberproduktion und der durch den Über-
ang zur Goldwährung veranlaßten relativen Beschränkung der mone-
ären Anwendung für das Silber eingetreten ist, veranlaßte gewisse
estrebungen seitens der Interessenten, die durch den genannten Preis-
fall geschädigt wurden, das Silber zu „rehabilitieren‘. In diesen Be-
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