Object : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Veranlassung  gegeben,  aus  Abfällen  wieder  ganzes  Leder  zu  machen x ),
sogar  das  natürliche  Leder  durch  künstliche  Lederstoffe  zu  ersetzen^),
letzteres  freilich  Versuche,  welche  bis  jetzt  ein  brauchbares  Resultat  nicht
gezeitigt  haben.
Ein  außerordentlich  wichtiges  Moment,  welches  in  diesem  Zusammenhange ­
  erwähnt  werden  muß,  stellt  das  Problem  der  Lederentfettung
  dar.  Es  enthalten  nämlich  alle  Schafhäute  in  der  Rückenlinie ­
  und  am  Halse  eine  geringe  Fetteinlagerung,  welche  manchmal  so
stark  wird,  daß  sich  das  Schaffell  zum  Weißgerben  überhaupt  nicht
mehr  eignet;  solche  Schaffelle  werden  dann  braun  gemacht,  besitzen  aber  auch
dann  noch  an  den  Stellen  starker  Fetteinlagerung  eine  dunklere  Färbung
und  einen  unangenehm  fettigen  Griff,  sie  sehen  aus,  als  ob  sie  große
Fettflecke  hätten.  Solche  stark  fetthaltige  Schaffelle  waren  durch  das
ganze  Mittelalter  bis  in  die  neueste  Zeit  eine  Quelle  endlosen  Ärgers
und  nie  endender  Auseinandersetzungen.  Ein  Zusatzdekret  zur  Nürnberger ­
  Jrher-Ordnung  von  1608  besagt,  daß  die  Weißgerber  Macht
haben  sollen,  die  Felle,  welche  zu  ihrem  Handwerk  nicht  tauglich  sind,
den  Rotgerbern  oder  anderen,  welche  sie  verarbeiten  können,  „wie  von
alters  gebreuchlich"  zu  verkaufen 3 ).  Da  andere  Gewerbe  keine  Verwendung ­
  für  diese  Schaffelle  hatten,  befanden  sich  die  Weißgerber  den
Rotgerbern  gegenüber  in  einer  Zwangslage,  und  diese  führte  auf  Grund
der  Ausnutzung  der  Lage  durch  die  Rotgerber  regelmäßig  dazu,  daß
die  Weißgerber  diese  zum  Weißgerben  ungeeignete  Ware  selbst  mit  Lohe
braun  gerbten,  was  natürlich  als  Gewerbsübergriff  von  den  mißgünstigen ­
  Rotgerbern  stets  gerügt  wurde.  Noch  1818  Z,  sogar  noch
1842 5 ),  wurden  Weißgerber  wegen  solcher  Übergriffe  zur  Rede  gesetzt,
und  sie  gaben  unumwunden  zu,  braunes  Schafleder  gegerbt  zu  haben,
weil  man  beim  Einkauf  nicht  jedes  Fell  durchsehen  kann,  und  weil  sich
dann  diese  zum  Weißgerben  ungeeigneten  sog.  Speckhälse  darunter  befinden, ­
  welche  ihnen  von  den  Rotgerbern  nicht  abgenommen  werden.
Die  Lösung  dieses  Problems  der  Lederentfettung  ist  eine  Errungenschaft ­
  erst  der  letzten  10—15  Jahre.  Vornehmlich  in  England  versuchte ­
  man  zuerst  durch  warme  hydraulische  Pressung  der  von  Wolle
befreiten  nassen  Häute  die  Entfettung  zu  bewerkstelligen;  da  man  jedoch
auf  diese  Weise  nicht  alles  Fett  zu  beseitigen  imstande  war,  ging  man
in  den  großen  Etablissements  von  Argentinien  auf  die  Fettextraktion
mit  Benzin  und  Methylalkohol  über 3 );  zuerst  im  Anschluß  an  große
Gerbereien,  dann  als  selbständige  Lohn-Lederentfettungsbetriebe  ent--)
  Keeß  1829,  Bd.  I,  S.  67,  68,  69;  Almanach  1802,  S.  649.
-)  Keeß  1829,  Bd.  I,  S.  67  f.  »)  Nürnberg  1539,  Okt.  1608.
0  Rothenburg  1818,  1818.  °)  Rothenburg  1818,  1842.
o)  Allgemeine  Gerberzeitung  1904,  Nr.  6,  @.  2.
            
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