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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
gewissen Größe nicht entbehrt und sich übrigens auf das Programm der
„Pioniere von Rochdale“ gründet 1 ).
*) Dieses neugenossenschaftliche Programm ist in Frankreich allgemein als das
der „Schule Von Nimes“ bekannt. In Wirklichkeit ist es nur die Weiterführung in
großem Maßstabe des 1844 von den Pionieren von Rochdale lakonisch aufgestellten
Grundgedankens. Bourguin, der es in seinen Systhmes socialistes aufgenommen
hat, hält dafür, daß es an Klarheit fehlen lasse. Es scheint uns aber wenigstens ebenso
klar wie irgendein anderes sozialistisches Programm, das die Zukunft vorwegnimmt,
und hat den Vorzug voraus, daß es sich auf Ansätze zu seiner Verwirklichung stützen
kann, die heute schon Beachtung verdienen. Im Folgenden fassen wir es kurz zusammen,
und zwar nach einem, schon vor 20 Jahren gelegentlich der Hundertjahrfeier der Revo
lution in einer Rede dargelegten Programm (in dem Buch Cooperation von Gide:
Des transformations que la coopfiration est appelde ä rdaliser dans
l’ordre economique. — (Über die Umwandlungen, die die Kooperation in der wirt
schaftlichen Ordnung zu verwirklichen berufen ist). — Es ist Sache der Verbraucher
und nicht der Produzenten, die Gesellschaft zu reorganisieren, weil die letzteren sich
nur von Berufsinteressen leiten lassen können, während die ersteren notwendigerweise
das Allgemeininteresse im Auge haben. Daher haben die Verbraucher sich nur zu
sammenzutun, um für alle ihre Bedürfnisse zu sorgen: — indem sie erstens alles, was
sie verbrauchen, direkt von den Produzenten kaufen, und indem sie es, sobald sie wohl
habend und zahlreich genug geworden sind, selbst in ihren Fabriken und auf ihren
Ländereien herstellen. Hierdurch eignen sie sich zunächst den Gewinn des Kaufmanns,
und dann den des Fabrikanten an, behalten davon aber nur das, was zur Ausdehnung
der Bewegung notwendig ist und geben den Rest den Verbrauchern pro rata ihrer Ein
käufe zurück, was auf die Abschaffung des Profits hinausläuft. Wir haben gesehen,
daß diese Abschaffung des Profits schon die Gedanken Stuart Mill’s beschäftigte
und sich für ihn mit einer ganz neuen Entwicklungsphase verband, die er den stationären
Zustand nannte (siehe oben S.408f.); wir haben ferner gesehen, daß auch die Hedonisten
zu demselben Ergebnis gelangten, wenn auch auf einem der Kooperation gerade ent
gegengesetzten Wege, nämlich dem der vollkommen freien Konkurrenz.
Es muß darauf hingewiesen werden, daß diese Revolution sich vollziehen würde,
ohne irgendwie an dem zu rühren, was man die Grundlage der sozialen Ordnung nennt:
Eigentum, Erbrecht, Zinsen, und ohne andere Enteignung, als die, die sich aus dem freien
Spiel der heutigen wirtschaftlichen Gesetze ergäbe. Diejenigen, die derart zusammen
arbeiten würden, wollen die bestehenden Kapitalien unberührt lassen: sie beabsichtigen,
neue zu bilden, die die anderen überflüssig machen werden. Warum auch nicht? Wenn
die bestehenden Kapitalien nur auf das aufgehäufte Ergebnis durch die Arbeit ver
wirklichter Gewinne sind, warum sollte die Arbeit nicht imstande sein, dasselbe noch
einmal zu leisten? Nur mit dem Unterschied, daß sie diese Kapitalien jetzt für sich
behalten würde 1
Man hat diesem System vorgeworfen, daß es, auch wenn es durchgeführt wäre,
doch nicht die Abschaffung des Lohnsystems verwirklichen würde, weil alle Arbeiter
dann für diese Genossenschaften arbeiten würden, ebenso wie sie heute im Dienste
von Arbeitgebern stehen. Darauf antworten wir, daß der, der im Dienste einer Ge
nossenschaft arbeitet, der er selbst als Mitglied angehört, recht nahe daran ist,
sein eigener Herr zu sein.
Übrigens, wer hat denn das Recht, einen derartigen Einwurf zu machen ? Sicherlich
nicht die Verteidiger der heutigen wirtschaftlichen Ordnung, die erklären, daß der
Lohnvertrag der endgültige Typus des freien Kontraktes ist. Ebensowenig die Kollek
tivsten, da nach ihrem System alle Menschen Angestellte im Dienste der Nation sein
würden. Daher würden die einzigen, die einen Grund hätten, diese Kritik zu erheben,