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Schaffung des Zolles, die taktisch gerechtfertigt ist, um die Kosten
der Lebensweise zu verbilligen, von dem Gesichtspunkt aus be
trachtet werden, daß billiger ausländischer Zucker besser ist als
teurer einheimischer. Darin liegt ja der Kernpunkt des Frei
handels-Prinzips.
Von keiner anderen Änderung des Tarifs werden wohl so
erhebliche wirtschaftliche Wirkungen ausgehen, wie von dem
zollfreien Zucker. Obwohl die Produzenten in Louisiana und in
den Rübenzuckerstaaten, ihre Abhängigkeit vom Schutzzoll über
trieben haben — wie dies einheimische Produzenten gewöhnlich
zu tun pflegen, wenn sie Gesuche um Zollerhöhungen einreichen
— so hat man doch den Eindruck, als wenn sie der ausländischen
Konkurrenz nicht auf gleicher Basis begegnen könnten. Die Pro
duzenten von Rohrzucker, wie auch von Rübenzucker haben gute
Jahre hinter sich, das beweist schon das Anwachsen ihrer Pro
duktion. Einige von ihnen können vielleicht bei freiem Zucker
auch noch ihr gutes Auskommen haben. Dies wird besonders
für einige im Westen günstig gelegene Zuckerrübendistrikte zu
treffen. So ist z. B. bei dem Hawaii-Zucker anzunehmen, daß
sich der Umsatz vermindern wird, aber nicht, daß die Zuckerpro
duktion eingestellt werden wird. Hawaii und Porto Rico werden
einen harten Schlag erhalten, aber sie werden kaum gezwungen
werden, den Betrieb einzustellen. Kuba und Java werden wahr
scheinlich mehr importieren. Jedenfalls werden die Veränderun
gen in der Versorgung erheblich sein,
Was über freien Zucker gesagt worden ist, gilt auch für den
sofortigen und vollständigen Fortfall des Zolls auf Wolle. In
ihren Tarifvorlagen von 1911 und 1912 hatten die Demokraten
es doch nicht gewagt, in ihren Wünschen soweit zu gehen; sie
schlugen nur vor, den Wollezoll auf 20% herabzusetzen. Dem
Einfluß des Präsidenten Wilson ist es zu verdanken, daß man
jetzt noch weiter ging und diesen Zoll ganz und gar beseitigte.
Man muß bedenken, daß dies die einzige radikale Änderung in dein
unglücklichen Tarif von 1894 war. Durch diesen energischen
Schritt zeigte Präsident Wilson den unerschrockenen Mut, der
ihm nicht weniger die Achtung seiner Gegner als seiner Freunde
gewann.