fullscreen: Die deutsche Hausindustrie

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VII. Kap.: Sclbfthilfe 
und dem Hausarbeitgefetz von 1911. Freilich ift gerade die Forderung, auf die 
von jeher am meiften Gewicht gelegt wurde, nur halb erfüllt: ftatt der Lohn 
ämter bringt das Gefetz nur Fachausfchüffe. 
Der Gewerk verein der Heimarbeiterinnen Deutfchlands hat in feiner 
Wirkfamkeit die Erwartungen von Freund und Feind weit übertroffen. Er 
hat einem nicht unerheblichen Teil der weiblichen Heimarbeiterfchafteine merk 
bare Befferung der Lebensverbältniffe gebracht und in manch freudlofes 
Dafein einen Strahl berechtigter Hoffnung auf eine beffere Zukunft geworfen: 
er hat eine obere Schicht einer bish r in dumpfer Refignation dahinlebenden 
Arbeiterfchaft zufammengeführt, die jetzt zielbewufzt ihre Standesintereffen 
vor der Öffentlichkeit vertritt. Der Gewerkverein hat eine wirkliche Heim 
arbeiterinnenbewegung ins Leben gerufen, die auf die wirtfchaftliche Entwick 
lung der Heimarbeit, namentlich auch auf die Gefetzgebung nicht ohne Ein- 
flujz geblieben ift. 
Trotzdem möchte man, vor allem in fozialdemokratifchen Kreifen, dem 
Gewerkverein innerhalb der modernen Gewerkfchaftsbewegung einen ehren 
vollen Platz nicht einräumen. Nun ift ja nicht wegzuleugnen, dajz das Vor 
gehen des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen nicht in dem rafchen Tempo 
und ftrammen Schritt der männlichen Gewerkfchaftsbataillone erfolgt ift. 
Seine Verfammlungen, Verhandlungen und Einrichtungen tragen nicht immer 
rein gewerkfchaftlichen'Charakter, fie fuchen auch dem menfchlichen und 
fraulichen Moment in etwa Rechnung zu tragen. Und das ift durchaus begründet 
in der Eigenart der Frau und Heimarbeiterin, die bis dahin dem modernen 
Organifationsleben ganz ferne ftand. Diefe Rückfichtnahme ift auch nicht zu 
vergeffen für zwei wichtige Befonderheiten im Gewerkverein der Heim 
arbeiterinnen : die Mitwirkung aufzerberuflicher Kräfte und die refervierte 
Stellungnahme zum Streik. 
Die Mitarbeit der Frauen anderer Stände, die bei der 
Neugründung ebenfo wie bei der Weiterentwicklung und Ausdehnung des 
Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen von durch fchlagender Bedeutung war, 
ift etwas Eigenartiges in diefem Gewerkverein, ja für den echten Gewerkfchaftler 
etwas Fremdartiges Die Gewerkfchaftsbewegung legt fonft überall auf die 
Berufszugehörigkeit ihrer Führer und Vorftandsmitglieder und auf Selbftändig- 
keit nach jeder Richtung das gröjzte Gewicht, und fie hat mit diefem Grund- 
fatze die beften Erfahrungen gemacht. Die anfänglich an feiner Richtigkeit 
zweifelten, erkennen jetzt an, da|z in den Köpfen der Arbeiterführer mehr 
Klugheit und Scharffinn fteckt, als man früher ahnte. 
Diefer Grundfatz mufz]jedoch bei der Organifation der Heimarbeiter, zu
	        
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