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Zweiter systematisch-theoretischer Teil
nächst einzelne Berufe überfüllt werden. Das hat Stolzmann übersehen.
Faßt man zusammen. so kommt man doch zu dem Schlusse,
daß weder in dem einen oder in dem anderen Sinn der Unterscheidung
in absolute und relative Übervölkerung eine größere Bedeutung
zukommt. Mit vollem Recht hat Budge hervorgehoben,
daß es sich hierbei um Unterscheidungen handelt, die bisher nur zu
Mißverständnissen und Unklarheiten geführt haben %). Ich möchte
Budge auch darin beistimmen, daß wir nur von einer „temporären“
Übervölkerung sprechen sollen, denn wir können von einer Übervölkerung
niemals sagen, ob sie dauernd ist. Dabei kann die Ursache
einer solchen Übervölkerung auf seiten einer ungünstigeren
Gestaltung des Nahrungsspielraumes oder auf seiten des Volkswachstums
beruhen. Demgegenüber steht dann die einfache Tatsache der
Berufsüberfüllung, die in zwei Formen auftreten kann: Einmal
nur als Folge einer „falschen“ beruflichen Gliederung der Bevölkerung,
dann aber auch als Vorbote und Symptom einer allgemeinen Übervölkerung.
Im gegebenen Falle ist es nicht allzuschwer festzustellen,
ob das eine oder ob das andere der Fall ist. Es gibt meines Erachtens
nur noch eine Unterscheidung, die einen größeren Erkenntniswert
besitzt: Diejenige in eine Übervölkerung im physiologischen oder
im kulturellem Sinn. Es ist dies eine Unterscheidung, die von
einer bestimmten Lebenshaltung ausgeht. Die Bedeutung dieser
Unterscheidung liegt, wie Winkler*) hervorgehoben hat, darin,
daß dabei der Grad der Übervölkerung betont wird und hervortritt.
Unter diesem Gesichtspunkt ist sie ein gradmäßiger Zustand „dessen
Schärfe durch das Ausmaß der Herabdrückung der Lebenshaltung
unter die geforderte Grenze und durch die Größe der betroffenen
Volksteile“ vor allem bestimmt wird. Es wird von dieser wichtigen
Unterscheidung später noch eingehender zu sprechen sein.
Damit kommen wir zu der Frage nach den Symptomen und
äußeren_Merkmalen einer Übervölkerung. Malthus hatte
eine solche als dauernde Erscheinung nicht für möglich gehalten,
weil die repressiven Hemnisse die Volkszahl immer auf dem Niveau
der vorhandenen Unterhaltsmittel festhielten. Für die Verhältnisse der
Kulturvölker können wir mit der Wirksamkeit dieser repressiven
Hemmnisse nicht mehr rechnen, weil bei uns die allgemeine Lebens:
haltung zu sehr über dem Existenzminimum steht. Man wird des-N)
Budge, a. &, O, 5. 149.
?) Übervölkerung u. Arbeitslosigkeit, Schr. d. V. f. Sp., Bd. 172, 1926, S. 182.