Full text : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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bedrohliche Konkurrenz bereiteten. Dafür spricht eine Äußerung
des Bischofs Liutprand v. Cremona, der als Gesandter Kaiser
Ottos I. in Byzanz weilte und Stoffe, die er als Geschenk erhalten
hatte, nicht ausführen durfte. Er wehrte sich dagegen mit der
Behauptung, daß man diese Stoffe bei ihm zu Hause durch Vermittlung
 Venetianischer und Amalfitaner Kaufleute leicht erhalten
könne*). Anscheinend fand also doch ein Export durch diese
Italiener schon statt.
Der Bericht Liutprands v. Cremona, so parteiisch und tendenziös
 er sicherlich ist, erscheint m. E. doch wegen des Gesamteindruckes
 wichtig, den er vom Hofe in Konstantinopel und der
Wirtschaft dort empfangen hat. Es ist m. E. recht bezeichnend,
daß er sogar die Bevorzugung vegetarischer Nahrungsmittel durch
den Kaiser geradezu damit erklären will, er habe die Tiere
sparen wollen, um durch deren Verkauf Geld zusammenscharren
 zu können“).
Merkantilistisch ist diese Wirtschaft auch deshalb zu nennen,
weil der Staat selbst Geldgeschäfte in großem Umfange unternahm.
 Eine davon ist trotz der tendenziösen Übertreibung Liutprands
 deutlich erkennbar. Im Jahre 968 habe, so erzählt er, eine
Hungersnot das Byzantinische Reich heimgesucht; Kaiser Nikephorus
 aber habe die wirtschaftliche Not noch dadurch verschärft,
daß er zur Zeit der Ernte alles Getreide in seinem ganzen Reiche
für einen Spottpreis aufkaufen und speichern ließ. Später habe er
dieses Getreide doppelt so teuer wieder verkauft‘?).
Auch die Bildung eines großen Staatsschatzes durch Anhäufung
 von Edelmetall in gemünzter und ungemünzter Form
darf hier besonders erwähnt werden. Die Auffassung von
Andreades*) halte ich nicht für zutreffend, denn die beiden
Voraussetzungen, von welchen dieselbe ausgeht, treffen für das
Byzantinische Reich jener Zeit tatsächlich nicht zu. Er meint, die
Ansammlung von Schätzen sei notwendig gewesen, weil dieser

*) Vgl. die Relatio de legatione Constantinopolitana in den 'M. G. Histor.
5.5. rer. germ. in usum scholar. 2. Edit. Dümmler c. 55.
*) Ebda. c. 40: Allio, cepis, porris vescens, ut possit animalibus eo parcere,
Juatinus non manducatis sed venundatis pecuniam congregat.
*) Ebda. c. 44.
3) Über die Finanzen von Byzanz (Übersetzung a.d. Neugriech, von
._H. Mertel). Finanzarchiv 1909, II, 16.
Dopsch, Naturalwirtschatt.
            
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