Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Die  volkswirtschaftliche  Bedeutung  der  Fondsbörse.  237

Hinweisen  zu  können,  daß  gerade  der  solide  Handel  sich  nur  durch  den  Terminhande!
sichern  kann  gegen  die  Gefahren  der  Kursschwankungen.  Beispielsweise  haben  die
Kornhäuser  ihren  Mißerfolg  zum  großen  Teile  dem  Umstand  zuzuschreiben,  daß  sie
sich  gegen  ihre  Engagements,  gegen  ihre  Einkäufe  und  Verkäufe  nicht  decken  konnten,
und  daß  sie  Spekulationsrisiken  auf  sich  allein  nehmen  mußten.
Die  beiden  Gesichtspunkte,  die  ich  vorhin  angeführt  habe,  genügen,  um  die  wirtschaftliche ­
  Rolle  zu  kennzeichnen,  welche  der  Terminhandel  zu  erfüllen  hat,  und  um
ihn  als  eine  der  wichtigsten  Grundlagen  einer  starken  Börse  festzustellen.
Aber  es  gibt  auch  noch  eine  andere  Voraussetzung  für  eine  starke,  leistungsfähige ­
  Börse,  eine  Voraussetzung,  die  viel  zu  wenig  beachtet  wird,  und  über  die  sich
nur  kleine  Kreise,  wie  es  mir  scheint,  im  klaren  sind.  Diese  Voraussetzung  ist  die
Leichtigkeit  der  Umsätze  für  den  Handel  an  der  Börse.  Die  Leichtigkeit  der  Umsätze
aber  wird  gerade  durch  große  Umsatzsteuern  aus  der  Welt  geschafft,  es  wird  ein
Zustand  eingeführt,  der  das  Gegenteil  von  einer  leichten  Umsatzmöglichkeit  darstellt.
Ich  habe  schon  vorhin  auseinandergesetzt,  wie  groß  die  Umsätze  sind,  die  sich  aus
dein  Besitz  an  mobilem  Kapital  ergeben,  und  wie  groß  die  Ansprüche  sind,  die  jahraus,
jahrein  an  das  mobile  Kapital  gestellt  werden.  Indem  sich  nun  alle  diese  Umsätze  an
der  Börse  konzentrieren,  geschieht  das  nicht  in  der  Weise,  daß  jedem  Angebot  und
jeder  Nachfrage  sofort  eine  entsprechende  Nachfrage  oder  ein  entsprechendes  Angebot
gleicher  Art  und  gleichen  Umfanges  gegenübersteht.  Ich  brauche  nur  einige  Beispiele
anzuführen.  Es  kommt  alle  Tage  vor,  daß  Beträge  3  prozentiger  preußischer  Konsols
zum  Verkaufe  angeboten  find,  gesucht  wird  aber  3  prozentige  Reichsanleihe.  Es
kommt  alle  Tage  vor,  daß  westpreußische  Pfandbriefe  zum  Verkauf  angeboten  sind,
daß  aber  nur  Käufer  vorhanden  sind  für  ostpreuhische.  Sie  erinnern  sich  der  Zeit,
wo  alle  Welt  in  Deutschland  russische  Papiere  verkaufen  wollte;  es  waren  keine  ernstlichen ­
  Kapitalisten  da,  die  russische  Wertpapiere  kaufen  wollten.  Umgekehrt  ist  die
Zeit  noch  gar  nicht  so  weit  entfernt,  wo  alle  Welt  in  Deutschland  italienische  Papiere
kaufen  wollte,  aber  es  waren  keine  ernsthaften  Verkäufer  für  italienische  Papiere
vorhanden.  Und  wenn  heute  Reichs-  oder  Staatsanleihen  emittiert  werden,  dann
sind  nicht  gleich  die  endgültigen  Käufer  für  die  gesamten  Anleihen  vorhanden;  es
wird  nur  ein  Teil  dieser  Anleihen  sofort  untergebracht;  der  Rest  muß  allmählich
Unterkunft  suchen.
Die  Aufgabe  des  Börsenhandels  besteht  nun  darin,  überall  da  einzutreten,  wo
einer  Nachfrage  nicht  sofort  in  derselben  Art  und  demselben  Umfange  das  entsprechende ­
  Angebot  gegenübersteht,  und  umgekehrt.  In  allen  diesen  Fällen  soll  der
Vörsenhandel  bewirken,  daß  die  wirtschaftlichen  Zwecke,  die  mit  der  Nachfrage
verfolgt  werden,  erfüllt  werden  können,  wenngleich  gar  kein  endgültiger  Kapitalist
vorhanden  ist,  der  ein  entsprechendes  Angebot  macht,  und  umgekehrt,  daß  die  wirtschaftlichen ­
  Zwecke,  die  mit  dem  Angebot  verfolgt  werden,  sofort  erfüllt  werden
können,  während  gar  kein  endgültiger  Käufer  vorhanden  ist.
Die  Geschäfte  an  der  Börse  wickeln  sich  aber  nicht  so  ab,  daß  etwa  nun  ein
Börsenhändler  die  angebotenen  Wertpapiere  kauft  und  sie  sich  wachen-  und  monatelang ­
  in  den  Kasten  legt.  Damit  würde  weder  ihm  noch  der  Allgemeinheit  gedient
sein:  der  Allgemeinheit  deswegen  nicht,  weil,  wenn  jemand  wachen-  und  monatelang
ein  Kursrisiko  übernehmen  soll,  er  einen  sehr  erheblichen  Kursabschlag  fordern  muß,
und  dem  Börsenhändler  nicht,  weil  er  dadurch  seine  Mittel  festlegen  und  es  ihm  unmöglich ­
  sein  würde,  sich  an  künftigen,  alle  Tage  von  neuem  herantretenden  Geschäften
zu  beteiligen.  Der  Börsenhändler  will  das  eingegangene  Engagement  sofort  erledigen.
Findet  er  nicht  gleich  jemand,  der  als  endgültiger  Käufer  oder  Verkäufer  eintritt,  so
übergibt  er  das  Engagement  einem  anderen,  der  seinerseits  sucht,  daß  er  einen  endgültigen ­
  Käufer  oder  Verkäufer  findet.  Und  so  wechseln  die  Geschäfte,  die  nur  einen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.