Rahmen einer Misch organisation wie der heutigen theoretisch wohl besser als
bisher behandeln. Theorie, gegenwärtige Wirklichkeit, Ge
schichte und Prophetie würden so einander befruchtend durchdringen.
Da die Systematik der Kriegswirtschaftsieh re ii) bereits
zur Diskussion gestellt ist, möchte ich für eine ausgiebige Pflege der durch
die Naturalrechnung geleiteten Betrachtungsweise vor
allem in den theoretischen Abschnitten eintreten. Ich glaube
im obigen zur Genüge gezeigt zu haben, daß eine eingehendere Behandlung
der Naturalrechnung und der Naturalwirtschaftslehre die
Kriegswirtschaftslehre wesentlich fördern würde, selbstverständlich
auch das Ganze der Volkswirtschaftslehre, welche durch all diese Wandlungen
der Betrachtungsweise mit neuem Leben erfüllt werden dürfte. Dann wäre die
volkswirtschaftliche Theorie derart befreit von überkommenen Schranken, daß
sie die kriegswirtschaftlichen Fragen innerhalb der eigenen Begriffswelt restlos
behandeln könnte. Eine Kriegswirtschaftslehre als Sonderdisziplin würde aber
als Zusammenfassung für praktische Zwecke auch dann noch ihren Wert be
halten. Heute muß sie aber Fragen erörtern, welche die allgemeine Volks
wirtschaftslehre recht unzureichend behandelt hatte. Wenn man einmal mit
einer Naturalwirtschaftstheorie Ernst macht, gewinnt eine Menge von wert
vollen Betrachtungen erhöhte Bedeutung, die bisher gerne beiseite geschoben
wurden, weil man sie nicht systematisch zu verwerten wußte. Die Autoren
werden danach eingeteilt werden können, ob sie die Naturalrechnung berück
sichtigten oder aber nicht. Derartige Wirkungen der Systematik sind ja
immer von besonderer Tragweite in der Geschichte aller Wissenschaften ge
wesen. Die Systematik sichert bestimmten Anschauungsweisen eine ausgiebige
Würdigung, während sie andere vernachlässigt. Jede Ausweitung der Syste
matik, die eine größere Zahl von Anschauungsweisen noch einzugliedern ver
mag, ist wohl als Fortschritt anzusehen, wenn sie logisch einwandfrei ist.
Es wäre sicherlich eine der Theorie würdige Aufgabe, die Naturalwirt
schaft erforscht zu haben, noch ehe vielleicht die Wirklichkeit der Groß-
natural Wirtschaft in noch umfassenderem Maße als bisher zum Durch
bruch verhilft. Am meisten dient die Theorie der Praxis dann,
wenn sie in gewissem Sinne wirklichkeitsfremd ist; der
Wirklichkeit auch vorauseilt, nicht nur ihr nachfolgt.
11) Vergl. Georg v. Mayr, Volkswirtschaft, Weltwirtschaft,
Wirtschaft 1915, S. 28 ff.
Kriegs-