Full text: Völkerrecht und Landesrecht

2.7 
vorwerfen dürfen, er ztehe die Grenzen seiner Diseiplin zu eng. 1) 
Und wer umgekehrt für internationales Privat- oder Strafrecht 
den Satz verficht, es handele sich dabei nur um rechtlich geordnete 
Verhältnisse der Individuen zu einander oder zum Staate und 
darum nicht um Völkerrecht 2, dem kann man vielleicht einen 
falschen Ausgangspunkt nachweisen, Folgerichtigkeit jedoch nicht 
absprechen. Aber von vornherein ist der schroffste Widerspruch 
jeder Theorie entgegenzusetzen, die entweder trotz der Behaup- 
tung, internationales Privatrecht sei ein Recht nur oder auch für 
Privatpersonen, dieses Recht dem Völkerrechte einverleibt,?) oder 
den noch schlimmeren Fehler begeht, es sowo hl dem Völker- 
rechte wie dem Landesrechte zuzutheilen.‘) Zu einer Lösung 
der Frage kann man aber nur gelangen, wenn man die einzelnen 
prive. 2. 6d. Paris 1890. Introd, p. 31 et suiv; Pradier-Foder6 Ill. p. 609 
u. Öö‚; Despagnet, Precis de droit international priv6. 2, 6a. Paris 1891. 
P- 1 et suiv; Cours de droit international public. Paris 1894, pP. 49; 
Piedelidvre, Precis I. pag. 15 et gsuiv. 
1) In der That werden denn auch die Schranken, die sich aus dem Be- 
griffe für die Darstellung ergeben müssten, von den fraglichen Schriftstellern 
niemals eingehalten. 
2) 8. bes. Jitta a. a. O0. P- 34 et suiv. Ferner aber Gareis, Institu- 
tionen des Völkerrechts. Giessen 1888, 8. 169; Walker, Streitfragen aus 
dem internat. Civilprozessrechte. Wien 1897. 8. 16f.; Harrison, Journal 
VII. p. 421, 533 et suiv; Hall, Treatise. pP. 54; Lorimer, Institutes of the 
Law of Nations. I. Edinburgh u. London 1883. p. 349; Bard, Pröcis de 
droit international. Paris 1883. Introd. p. 1, 5; Roguin, Archiv f, öff, R. IX. 
8.164; v. Rohland, Intern. Strafrecht. I. Leipzig 1877. S. 2 u. A. 
‘ 3) Vesque v. Püttlingen, Handbuch des in Oesterreich geltenden: 
internationalen Privatrechts. 2. Aufl. Wien 1878. 8. ı f.; Brocher, Cours 
de droit international prive. I. Paris u. Genf 1882. P- 19; Surville et 
Arthuys, Cours Elementaire de droit international prive. Paris 1890. p. 5 
at suiv. S. auch Brinz, Lehrbuch d. Pandekten. I, 3. Aufl. Erlangen 1884, 8. 120. 
4) v. Neumann, Grundriss des heut. europ. Völkerrechts. 3. Aufl. 
Wien 1885, 8. 3; Nippold, Völkerrechtl. Vertrag. S. 263, 267 u. Note 26; 
269 u. ö. Auch K, Th. Pütter, Prakt. europ. Fremdenrecht. Leipzig 1845, 
S. 11 u. ö. gehört wohl hierher. Ganz verwirrt Funck-Brentano et 
Sorel, Precis du droit des gens. Paris 1877. P. 24 et suiv., Eine eigenthüm- 
liche Stellung nimmt ein v. Bar, Theorie und Praxis des internationalen Pri- 
vatrechts, 2. Aufl. I. Hannover 1889. Er leugnet, dass das internationale 
Privatrecht als Theil der einzelnen Landesrechte aufzufassen sei. (S. 4 if.) 
Gegen eine „Verbindung“ mit dem Völkerrechte hat er nichts einzuwenden, 
aber es ist nicht Völkerrecht. (S. 10.) Es ist also ein selbständiges Recht, 
ein Recht sui generis, das auf der „Natur der Sache“ beruht, (S. 5 ff}
	        
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