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vorwerfen dürfen, er ztehe die Grenzen seiner Diseiplin zu eng. 1)
Und wer umgekehrt für internationales Privat- oder Strafrecht
den Satz verficht, es handele sich dabei nur um rechtlich geordnete
Verhältnisse der Individuen zu einander oder zum Staate und
darum nicht um Völkerrecht 2, dem kann man vielleicht einen
falschen Ausgangspunkt nachweisen, Folgerichtigkeit jedoch nicht
absprechen. Aber von vornherein ist der schroffste Widerspruch
jeder Theorie entgegenzusetzen, die entweder trotz der Behaup-
tung, internationales Privatrecht sei ein Recht nur oder auch für
Privatpersonen, dieses Recht dem Völkerrechte einverleibt,?) oder
den noch schlimmeren Fehler begeht, es sowo hl dem Völker-
rechte wie dem Landesrechte zuzutheilen.‘) Zu einer Lösung
der Frage kann man aber nur gelangen, wenn man die einzelnen
prive. 2. 6d. Paris 1890. Introd, p. 31 et suiv; Pradier-Foder6 Ill. p. 609
u. Öö‚; Despagnet, Precis de droit international priv6. 2, 6a. Paris 1891.
P- 1 et suiv; Cours de droit international public. Paris 1894, pP. 49;
Piedelidvre, Precis I. pag. 15 et gsuiv.
1) In der That werden denn auch die Schranken, die sich aus dem Be-
griffe für die Darstellung ergeben müssten, von den fraglichen Schriftstellern
niemals eingehalten.
2) 8. bes. Jitta a. a. O0. P- 34 et suiv. Ferner aber Gareis, Institu-
tionen des Völkerrechts. Giessen 1888, 8. 169; Walker, Streitfragen aus
dem internat. Civilprozessrechte. Wien 1897. 8. 16f.; Harrison, Journal
VII. p. 421, 533 et suiv; Hall, Treatise. pP. 54; Lorimer, Institutes of the
Law of Nations. I. Edinburgh u. London 1883. p. 349; Bard, Pröcis de
droit international. Paris 1883. Introd. p. 1, 5; Roguin, Archiv f, öff, R. IX.
8.164; v. Rohland, Intern. Strafrecht. I. Leipzig 1877. S. 2 u. A.
‘ 3) Vesque v. Püttlingen, Handbuch des in Oesterreich geltenden:
internationalen Privatrechts. 2. Aufl. Wien 1878. 8. ı f.; Brocher, Cours
de droit international prive. I. Paris u. Genf 1882. P- 19; Surville et
Arthuys, Cours Elementaire de droit international prive. Paris 1890. p. 5
at suiv. S. auch Brinz, Lehrbuch d. Pandekten. I, 3. Aufl. Erlangen 1884, 8. 120.
4) v. Neumann, Grundriss des heut. europ. Völkerrechts. 3. Aufl.
Wien 1885, 8. 3; Nippold, Völkerrechtl. Vertrag. S. 263, 267 u. Note 26;
269 u. ö. Auch K, Th. Pütter, Prakt. europ. Fremdenrecht. Leipzig 1845,
S. 11 u. ö. gehört wohl hierher. Ganz verwirrt Funck-Brentano et
Sorel, Precis du droit des gens. Paris 1877. P. 24 et suiv., Eine eigenthüm-
liche Stellung nimmt ein v. Bar, Theorie und Praxis des internationalen Pri-
vatrechts, 2. Aufl. I. Hannover 1889. Er leugnet, dass das internationale
Privatrecht als Theil der einzelnen Landesrechte aufzufassen sei. (S. 4 if.)
Gegen eine „Verbindung“ mit dem Völkerrechte hat er nichts einzuwenden,
aber es ist nicht Völkerrecht. (S. 10.) Es ist also ein selbständiges Recht,
ein Recht sui generis, das auf der „Natur der Sache“ beruht, (S. 5 ff}