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Verkehrsleben einfach nur Stadtteile des letzteren bilden. Ihr Straßen
netz geht unvermittelt in das Straßennetz von Berlin über. Charlottenburg
und Schöneberg sind im wesentlichen nur Aussttahlungen von Berlin-West,
und eine Anzahl ihrer Postämter gehören auch demgemäß zum Zentralamt
dieses Stadtteils. Rixdorf bildet die Verlängerung des Südostens, Box
hagen, Friedrichsberg, Rummelsburg sowie Lichtenberg mit Nebenorten
die des Ostens von Berlin, Pankow und Reinickendorf wachsen mit den
nördlichen Stadtteilen Berlins zusammen, und Weißensee ist nur noch
durch einen ganz schmalen, sich immer mehr verengernden Streifen
unbebauten Bodens vom Nordosten Berlins getrennt.
And nicht nur, daß diese Orte mit Berlin verwachsen sind, gliedern
sich an ihre Verlängerung von Berlin hinweg wieder andere Orte an, die
vordem isoliert liegende Dörfer und Flecken waren, nun aber gleichfalls
in rascheres Wachstum eingetreten sind. Ähnliches gilt auch von den meisten
Orten, die zwischen den genannten großen Ausstrahlungen Berlins liegen.
In der ganzen Amgebung dehnt und reckt es sich. Lier werden frühere
Dörfer zu Wohnkolonien für bestimmte Schichten des bessergestellten
Bürgertums mit ihrem Anhang, dort erstehen in Masse Wohnquartiere
für Kleingewerbetreibende, Beamte und die um Lohn arbeitenden breiten
Volksklassen, und einige dieser Orte entwickeln sich zugleich zu Produktions
stätten von Bedeutung. Bis über den zweimeiligen Amkreis von Berlin
hinaus sind aber alle Orte in der einen oder andern Weise organisch mit
der Hauptstadt verbunden, die so einem Polypen mit immer weiter sich
ausstreckenden Fangarmen zu vergleichen ist. Was von den Fangarmen
erfaßt wird, hört auf, ein Organismus für sich zu sein und bezieht sich in
seinen Lebensäußerungen immer stärker auf Berlin als Zentralkörper, der
rückwirkend seinerseits aber auch in immer größere funktionelle Abhängigkeit
von jenen Außenteilen gerät, ohne sie in seiner jetzigen Gestatt nicht atmen,
sich nicht >nehr lebenskräftig regen könnte.
Anter dem Gesichtspunkt wirtschaftlicher Zusammengehörigkeit ist daher als
Berlin nicht mehr nur die diesen Namen tragende Stadtgemeinde zu ver
stehen, sondern mit ihr das ganze Konglomerat von großen und kleinen
Orten, das im meilenweiten Amkreise um sie herum sich gruppiert. Soweit
ein zwei Meilen fassender Radius vom Zentrum aus es umschreibt, wird
es heute von der Statistik als das größere oder Groß-Berlin bezeichnet
und hatte 1905 eine Bevölkerung von 3201849 Seelen. Rechnet man
dagegen zur Stadtgemeinde Berlin die beiden Reichstagswahlkreise hinzu,
die Berlin umgeben, nämlich die Wahlkreise Niederbarnim und Teltow-
Becskow-Storkow-Charlottenburg, so erhält man ein Groß-Berlin, das 1905
3,3 Millionen Seelen umfaßte. And dieses, nicht nur den ehemaligen weiteren
Polizeibezirk Berlin, sondern auch das Groß-Berlin der statistischen Ein
teilung an geographischer Ausdehnung und Bevölkerungszahl noch über
treffende Gebiet wird in der hier zu behandelnden Zeit für eine Anzahl
politischer Zwecke das Groß-Berlin der Sozialdemokratie.
Wenn aber aus dem Groß-Berlin der Polizeiverwaltung und auch
aus dem Groß-Berlin der Statistik Orte weggeblieben sind, die wirtschaftlich
noch zu Berlin gehören, so umfaßt dagegen das sozialdemokratische Groß-
Berlin eine Reihe von Ortschaften, die mit der Lauptstadt in keiner wesentlich
anderen Beziehung stehen, wie irgendwelche sonstige Ortschaft der Monarchie.