thumbs: Die Entwicklung der Weißgerberei

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zu zeigen, daß auch die Rindshaut in den der Weißgerberei nahe 
stehenden Gebieten eine nicht unbeträchtliche Verwendung gefunden hat. 
Während des ganzen Mittelalters in großem Umfange und ver 
einzelt bis auf unsere Tage J ), worauf wir noch näher an anderer Stelle 
zu sprechen kommen, wurde die Rindshaut für Riemen weißgar gemacht. 
Um nur ein einziges modernes Beispiel größten Stils anzuführen, die 
österreichische Vorschrift für die Einlieferung, Untersuchung und Ver 
wendung der Ledersorten für die kaiserl. und königl. Artillerie von 
1906 nennt alaungares Rindsleder zu Peitschenschnü.en und alaun 
fettgares Nähriemenleder zu Nähriemen 2 ). Daß auch sonst das Rinds 
leder in der Weißgerberei heute seine Rolle noch nicht ausgespielt Haff 
dafür genüge es, als Beispiel anzuführen, daß moderne Lehrbücher der 
Weißgerberei es unter ihren Rohmaterialien aufführen 8 ), daß in der 
Fachlitteratur immer wieder Artikel erscheinen, welche auf die Weiß 
gerberei solcher Häute hinweisen 4 ), und daß man immer noch bestrebt 
ist, die Methoden der Weißgerbung in Hinsicht auf spezielle Verfahren 
für schwere Häute zu verbessern 8 ). Die ungarische Weißgerberei, welche 
vor der Erfindung der Schnellgerbung eine Rolle noch viel größerer Be 
deutung als heute gespielt hat, welche aber auch heute noch in manchen Ge 
bieten ausgeübt wird, kennt als Ausgangsmaterial fast nur die Haut 
der Ochsen und Kühe"). 
Endlich hat auch die Sämischgerberei sich dieses Rohmaterials 
nicht selten bedient. Daß die Sämischgerbung von Ochsenhäuten im 
Mittelalter nicht unbedeutend gewesen sein kann, zeigt neben der Ver 
wendung des fettgaren Rindsleders zu gewissen Ausrüstungsstücken für 
Kriegsgebrauch 7 ) ein gelegentlicher Streit zwischen Weißgerbern und 
Rotgerbern über die Erlaubnis zum Sämischgerben von Ochsenhäuten 8 ), 
die Wiener Weißgerber haben bis in die 60 er Jahre des vorigen Jahr 
hunderts Ochsenhäute und Büffelhäute mit Fischtran gegerbt 9 ), und auch 
in der Folgezeit 10 ) bis heute sind solche Häute für die Herstellung von 
Degras und von Sämischleder von Bedeutung. 
Gehen wir nun zu der natürlichen Decke des Kalbes über, so 
gelangen wir damit zu den leichteren Häuten überhaupt, und im Kalb- 
0 Gerbercourier 1900, Nr. 18; Ledermarkt 1900, Nr. 37, S. 6. 
2 ) Vorschrift für die Einlieferung, Untersuchung und Verwendung der Leder 
sorten für die k. & f. Artillerie, Wien 1906, S. 27. 
3 ) Wiener 1904, S. 61. 4 ) Ledermarkt 1904, Nr. 3, S- 7. 
3 ) Wiener 1904, S. 252. 
") Vgl. z. B. Schauplatz; Beckmann 1796, S. 296. Handwörterbuch der 
Chemie und Physik August usw., 1845, S. 229. 
') Schauplatz 1775, Bd. IV, S. 111. 
8 ) Nürnberg 1539, M. S. 452, S. 465 (912). 
») Weißkirchner 1896, S. 485. 10 ) Heinzerling 1882, S. 16
	        
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