Object: Die Entwicklung der Weißgerberei

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denn zur Durchführung der Vorarbeiten, der Gerbprozesse und des 
Färbens sind ganz beträchtliche Quantitäten geeigneten Wassers er 
forderlich; aber andererseits muß die Möglichkeit bestehen, diese aus 
den Prozessen kommenden Abwässer auch wieder in genügender Weise 
abzuführen. Zu diesen rein technischen Forderungen kommt neuerdings 
noch die rein hygienische, daß nur genügend geklärte und gereinigte 
Abwässer einen Betrieb verlassen dürfen. 
Die Beschaffenheit des Wassers ist von großem Einfluß auf 
das Ergebnis des Gerbeprozesses; denn fauliges Brunnenwasser bewirkt eine 
vollkommene Blindheit der Narbe; es kann ein Einfressen von Löchern 
von der Fleischseite aus stattfinden, die Narbe erhält unter Umständen 
eine eigentümliche Marmorierung, und die Schwellung ist ungenügend, 
so daß das Leder zu dünn und fest im Kerne wird; Wasser mit einem 
Gehalt von Chloriden (Meerwasser) hebt sogar die schwellende Wirkung 
der Säuren auf, hartes Wasser ist ungeeignet für vegetabilische Gerbung, 
da es einen Teil der Gerbstoffe fällt, und eisenhaltiges Wasser erweist 
sich als schädlich für Weiß- und Glaccgerbereien, weil das Leder ge 
legentlich dunkle Färbungen erlangt; dagegen ist Wasser mit freier 
Kohlensäure, wie auch solches mit einem Gehalt von Calcium- und 
Magnesiumsulfat wünschenswert, da es eine gute Schwellung der Häute 
bewirkt *). Wasser ungenügender Beschaffenheit erfordert die Anlage 
von Wasserreinigern, welche sowohl, in der Einrichtung wie auch im 
Betriebe verhältnismäßig kostspielige Organe einer Fabrik darstellen können. 
Diese Momente machen uns verständlich, daß der Standort der 
Gerberei auch durch die Wasserfrage mit beeinflußt wird, daß sich 
die Gerber unter Umständen an diesen Lebensnerv drängen, ohne Rück 
sicht, ob sie dadurch mit hygienischen Forderungen in Konflikt geraten 
oder nicht; die folgenden Beispiele zeigen sowohl die gelegentliche Ab 
hängigkeit der örtlichen Lage einer Gerberei von genügendem und 
geeignetem Wasser, wie auch das ursprüngliche Fehlen jeder Beziehung 
zwischen Hygiene und Einfügung der Gerberei in den Wohnungsbereich 
der Menschen; sie zeigen endlich, daß zum Betrieb einer Gerberei die 
Anwesenheit fließenden Wassers nicht unbedingt erforderlich ist, da 
Brunnen und Wasserleitungen ebenfalls geeignet sind, diesen Bedarf 
genügend zu decken. 
Die Pariser Weißgerber hatten sich im 18. Jahrhundert haupt 
sächlich am Flusse des Gobelins niedergelassen, welcher für Weißgerber 
mehr noch als für Rotgerber geeignet galt, und welcher mit seinen 
Vorzügen geeigneten Wassers nur die Nachteile eines langsamen Laufes 
verband, so daß das Wasser öfters trübe ward und im Sommer 
') Vgl. Gerber 1877, S. 183; 1884, S. 189, 205, 221, 283; König 1899, 
Bd. I, S. 99 f.; Heinzerling 1882, S. 20.
	        
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