Full text : Ursachen der Amerikanischen Concurrenz

die  Colonisation  nicht  und  der  Verein  hätte  ein  sehr  gutes
Privatgeschäft  machen,  seine  Mitglieder  hätten  werthvollen
Grundbesitz  erwerben  können,  wenn  der  Vereinsleiter  Ausdauer, ­
  Geschick  und  der  Verein  auch  nur  einige  Opferwillig*
keit  gehabt  hätte.
Die  Transport-  und  Ansiedelungskosten  mussten  die  Colonist ­
  en  schon  in  Deutschland  einzahlen.  Sie  waren  so  hoch
angesetzt,  dass  man  dafür  sehr  gut  das  Versprochene  hätte
halten  können.  Durch  Ungeschick  oder  Betrügerei  von  Mittelspersonen ­
  hielt  der  Verein  seine  Versprechungen  aber  nicht.
Es  stellte  sich  heraus,  dass  dies  Land,  welches  der  Adelsverein
  unbesehen  gekauft  hatte,  zu  entfernt  von  der  Küste
lag,  als  dass  es  von  den  Einwanderern  mit  den  bereit  stehenden
Mitteln  von  lo  fl.  per  Kopf  hätte  erreicht  werden  können.
Das  ungeheure  Terrain,  welches  der  Verein  sich  hatte
aufhängen  lassen,  ohne  es  zu  besehen,  wohin  er,  vollkommen
gewissenlos  über  8000  Deutsche  verlocken  wollte,  liegt  zwischen
dem  Llano-  und  Coloradoflusse,  um  den  Schneidepunkt  des
99.  Meridians  und  des  31.  Breitegrades,  in  einer  Höhe  von
800-2000  Fuss  über  dem  Meere,  ist  ein  unfruchtbares,  dürres
Hochplateau  mit  20—32"  Regenfall,  hatte  bis  i860  weniger
als  2  weisse  Einwohner  per  Quadratmeile  und  in  99  Theilen
von  100  auch  1870  nur  diese  dünne  Bevölkerung;  nur  auf
3  ganz  kleinen  Oasen  besass  es  1870  eine  Bevölkerung
von  2—6  Einwohner  per  Quadratmeile  —  Hirten  und  Jäger!
Seine  geringste  Entfernung  von  der  Küste  beträgt  über
300  Meilen  und  gab  es  1846  natürlich  keinen  Weg  dorthin!
Die  Einwanderer  haben  es  niemals  erreicht.  Ohne  es  zu
kennen,  suchten  die  Leiter  der  Colonisation  aber  es  zu  erreichen.
Prinz  Solms  brach  im  März  1845  rnit  etwas  über  200  Mann
von  Indianola  an  der  Küste,  wo  die  schon  im  Jahre  1844  angelangte
  erste  Truppe  der  Einwanderer  in  höchst  ungesundem
Fieberklima  müssig  und  krank  lag,  nach  Norden  auf  und
erreichte  eine  schöne  Gegend  zwischen  dem  Guadeloupe-  und
Comalflusse,  in  der  Mitte  zwischen  den  Städten  San  Antonio
und  Austin.  Hier  fand  er  fruchtbaren,  welligen,  theilweise
            
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