Full text : Ursachen der Amerikanischen Concurrenz

462

der  trockenen  Zeit,  in  welcher  der  kleine  Fluss  —  wie  manche
andere  in  Californien  —  versiegte,  Wasser  auf  ihre  Aecker.
Auf  der  Prairie  und  den  nicht  sehr  hohen  Bergen,  welche
das  San  Joaquim-Thal  einschliessen,  durch  welches  wir  von
Los  Angeles  nach  San  Francisco  fuhren,  wächst  in  der  Regenzeit ­
  reichlich  Gras.  Es  regnet  aber  südlich  von  San  Francisco ­
  weniger,  dagegen  nördlich  davon  mehr  und  in  Oregon
ausreichend.  Im  Sommer  trocknet  das  Gras,  wird  auf  dem
Halme  zu  Heu  und  dient  dem  Vieh  zur  Nahrung.  Doch
reicht  es  für  die  Heerden  nicht  und  werden  diese  in  die
Berge  getrieben.  Mittelst  Futterbau  könnte  man,  da  Alfalfa
oder  Luzerne  bei  Bewässerung  üppig  wächst,  in  dieser  Zeit
eine  Art  Stall-  oder  Hürdenfütterung  einführen  und  dabei
Dung  gewinnen,  denn  aut  die  Dauer  wird  es  mit  dem  Raubbaue, ­
  den  wir  zuerst  im  Grossen  hier  gesehen  haben,  nicht
gehen.
Californien  hat  schönes  Rindvieh  von  spanischem  Blute,  doch
meist  nahe  dem  englischen  Shorthorn-Vollblute  gebracht,  etwas
kleiner  als  das  der  Oststaaten.  Für  Molkereizwecke  und  im
Gebirge  hält  man  auch  Jerseys.  Im  Jahre  1880  gab  es  dort
2.288  Zugochsen,  210.078  Milchkühe  und  451.941  andere
Rinder.  Die  Schafe,  4.152.000  an  Zahl,  sind  meist  Merinos.
Vieh  wird  nicht  exportirt  und  kann  auch  nicht  vermehrt
werden,  so  lange  man  nicht  Futterbau  treibt;  es  genügt  nicht
voll  für  den  Consum  im  Staate,  sondern  muss  aus  Oregon
und  Nevada  ergänzt  werden.  Mast  mit  Mais  ist  nur  Ausnahme-Man
  hält  zu  viel  Pferde,  237.710  Stück,  und  Maulthiere,
28.343  Stück,  die  zu  viel  Futter  kosten.  Es  ist  sehr  charakteristisch ­
  für  die  amerikanische  Wirthschaft  überhaupt  und  fh^
die  californische  ganz  speciell,  dass  auf  jeder  Wirthschaft  weit
mehr  Pferde  und  Maulthiere  als  Menschen  beschäftigt  werden,
Ochsen  aber  fast  gar  nicht.  Mir  ist  es  unerklärlich,  weshalb
man  den  Dampfpflug  nicht  anwendet,  der  auf  den  grossen
ebenen,  meist  steinfreien  Flächen  der  Grossgrundbesitzer  vortheilhaft
  angewendet  werden  könnte.  Zwar  hat  Californien
keine  Steinkohle  und  kostet  solche  aus  England  jetzt  in  San-Francisco
  8  Dollars  50  Cents  per  Tonne.  Allein  wir  haben
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.