Der Stand des Wiederaufbauwerkes am Ende des Jahres 1925.
Die Feststellung des wirklichen Kriegsschadens in den befreiten Gebieten stößt ebenso auf Schwierigkeiten,
wie die Feststellung der Summen, die von der französischen Regierung für den Wiederaufbau verwendet
worden sind. Die Schwierigkeit, die sich allen Berechnungen entgegenstellt, liegt in der Währungsfrage.
Es geht kaum an, wie es E. Michel in seinen schon zitierten Aufsätzen im Journal de la Societe de Statistique
de Paris tut, den gesamten privaten Sachschaden für Beginn 1923 auf 85 Milliarden fr. zu schätzen und die
gleiche Summe für Beginn 1926 zu nennen, während inzwischen der Lebenshaltungsindex von 351 auf über
450, der Großhandelsindex von 419 auf über 550 gestiegen ist. Ebensowenig ist es möglich, die Aufwendungen
des Staates in den einzelnen Jahren zu addieren, wie es in allen amtlichen französischen Quellen geschieht.
Um nun annähernd den Stand des Wiederaufbaues in finanzieller Hinsicht bestimmen zu können, sind die
Ziffern der Übersicht auf S. 410 auf Frances Vorkriegskaufkraft umgerechnet worden. Der Umrechnungs-
index ist ebenso wie in den übrigen Abschnitten dieser Arbeit als Mittel zwischen Großhandels- und Lebens-
haltungsindex gebildet worden. Die Berechnung des Gesamtsachschadens erfolgte auf Grund der Michel-
schen Ziffern!) nach dem Index des Jahresdurchschnitts von. 1923, da die betreffenden Angaben in
Papierfranes etwa in der zweiten Hälfte des Jahres errechnet worden sind. Der Gesamtsachschaden stellt
sich dann folgendermaßen dar:
Vorkriegskaufkraft
1. Privater Sachschaden ...... + EEE 22,09 Milliarden. {fr
2. Zinsverpflichtungen für privaten Sachschaden............... 0,78 ;
3. Sachschäden, die der Staat selbst behoben hat?) ........... 1.43 \
4. Wiederherstellung von Eisenbahnen ........,.......0.00000 + 0,69
5. Wiederherstellung der Verwaltung ..........+0.00007 44444400 + EZ
6. Unterstützung der Vertriebenen ‚1....440.0000 100 er» Kr
7. Kosten des Verwaltungsapparates‘ ........00000000 00 Ar On
Insgesamt.... 26,36 Milliarden fr.
Die Summe von 26,36 Milliarden fr. (Vorkriegskaufkraft) dürfte dem tatsächlich entstandenen Schaden
ziemlich nahekommen, wenn sie auch keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit erheben kann. Sie dürfte
jedoch genauer sein als die ersten französischen Schätzungen, die auf die vielfach übertriebenen anfänglichen
Anmeldungen der Geschädigten zurückgingen. KEinen gewissen Wahrscheinlichkeitsbeweis bildet auch
ihre Gegenüberstellung mit den wirklich geleisteten Entschädigungen und ein Vergleich dieser Ergebnisse
mit den im Vorstehenden angeführten Einzeltatsachen des derzeitigen Standes der Wiederaufbauarbeiten,
Es sind bei Umrechnung der jährichen Leistungen auf Vorkriegskaufkraft ausgegeben worden:
1. für private Sachschäden .........0.00000r 08 .. 17,79 Milliarden Ir.
ST » »
3.» _Wiederherstellung der Eisenbahnen ...................... 10,68 » »
1. >» „Wiederherstellung der Verwaltung ................000...0 0,85
5 >» Unterstützungen, Verwaltungskosten und Sachschäden, die
der Staat‘selbst behoben hat?).....;....7. 2,7 a 2,64 » \
Insgesamt .... 22,74 Milliarden fr.
Der Gesamtschaden von 26,36 Milliarden fr. Vorkriegskaufkraft ist demnach zu 86,3 vH durch Auf-
wendungen des Staates beseitigt worden. Als noch aufzuwenden wird Anfang 1926 geschätzt ?):
1. für private Sachschäden ..... Ser 00000.. «4. 3,92 Milliarden Ir.
2. » ‚Zinszahlungen auf private Sachschäden .................. 0,08 » »
3. > sonstige Sachschäden... "0 A 6 »
Insgesamt.... 4,16 Milliarden fr.
Das Wiederaufbauwerk geht somit seinem Ende entgegen; der Abschluß der Arbeiten wird abhängig
sein von der Möglichkeit, für den begrenzten Rest der Aufwendungen Mittel bereitzustellen.
1) a. a. 0.
?) Grund und Boden, Brücken, Wege usw
3) Michela.a. O0.
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