B i sc hoff, Die Forderungen der Praxis.
37
Vorschläge große Sympathien entgegenbringen werden. Die Hauptmitarbeit
der Praktiker an der Entwicklung der Versicherungswissenschaft
wird im allgemeinen immer eine literarische sein und
bleiben müssen, die in den Mußestunden neben der eigentlichen
Berufstätigkeit zuwege gebracht wird. Auch eine derartige Mitarbeit
aber wird, wie aus dem früher Gesagten hervorgeht, außerordentlich
nützlich sein können. Ich erachte es daher als eine der
wichtigsten Aufgaben unseres Vereins, eben diese Mitarbeit der Praktiker
durch entsprechende Anregung und Organisation zu fördern.
Schließlich möchte ich noch auf ein letztes, nicht unwichtiges
Mittel zur Förderung der Entwicklung unserer Wissenschaft hinweisen
:
Bekanntlich sind auf dem Gebiete des Versicherungswesens in
den letzten dreißig Jahren viele neue und wichtige Probleme der
staatlichen Versicherung hervorgetreten und teilweise auch zur
Lösung gebracht. In Zukunft wird das vielleicht in noch höherem
Maße der Fall sein. Die staatliche Unfall-, Kranken-, Alters- und
Invaliditätsversicherung harrt bekanntlich der Fortentwicklung und
besseren Ausgestaltung. Die Fragen der Hinterbliebenen Versorgung
der Arbeiter und Angestellten, der Arbeitslosigkeitsversicherung usw.
treten immer energischer hervor. Die Beschäftigung mit solchen Problemen
kann nur offenbar unserer Wissenschaft sehr förderlich sein ;
gerade, wenn man sich mit den Schwierigkeiten derartiger praktischer
Fragen abzufinden hat, wird man recht eigentlich zur wissenschaftlichen
Forschung getrieben. Deshalb sollte man, meine ich, die
\ ertreter unserer Wissenschaft (insbesondere die Versicherungsmathematiker
und -Statistiker) in die Kommissionen zur Bearbeitung
solcher Fragen mit berufen. Sie werden dort nicht nur selbst viel
lernen, sondern auch manchen guten Gedanken aus ihrer Erfahrung
zur Lösung der betreffenden Aufgaben beitragen können. Auch der
deutsche Verein für Versicherungswissenschaft könnte in solchen
Fragen seitens der Regierung zur Mitarbeit herangezogen werden.
Unter dem Einfluß solcher Maßnahmen würde zweifellos das wissenschaftliche
Streben auf unserem Gebiete gute Fortschritte machen.
Das wäre es etwa, was ich hier — in Ergänzung der Ausführungen
der vorhergegangenen Referate — auf die Frage antworten möchte:
Wie ist die Entwicklung der Versicherungswissenschaft zu fördern?
Die Wichtigkeit dieser Frage selbst ist nicht zu verkennen, wenn
man in Betracht zieht, daß heute und in Zukunft weittragende Probleme
der Staatsversicherung der rechten Lösung harren, daß ferner
eine außerordentlich weitreichende Aufsichtstätigkeit nunmehr tief
ein greift in alle Verhältnisse unseres Kulturgebietes, und daß in naher
Zukunft auch die privatrechtlichen Verhältnisse dieses Gebietes eine
völlig neue Entwicklungsgrundlage erhalten. Da schreit geradezu
das gesamte Versicherungswesen an allen Ecken nach einer wissenschaftlichen
Wegweisung, die ihm eine wahrhaft gute, wahrhaft
gemeinnützige Wirksamkeit sichert. Deshalb sollten alle Beteiligten
— die Regierung wie die Aufsichtsbehörden, die Versicherungspraktiker
wie auch unser Wissenschafts verein — die Sorge für die