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Die Begründung nimmt, wie erwähnt, als Kegel an, dass
je mehr heimische Arbeit in einem Produkt stecke, umsomehr
Zollschutz es gemessen müsse. Aber ich behaupte, dass das
Gegenteil richtig ist: je mehr heimische Arbeit in einem
Produkt steckt, um so konkurrenzfähiger ist es und
um so weniger Zollschutz bedarf es.
Für die Entwicklung unseres Aussenhandels muss der von
der Regierung vertretene Standpunkt zu den verhängnisvollsten
Folgen führen. Wenn nun ferner die Begründung gewisse
Artikel lediglich deswegen im Zoll erhöht, weil sie einen besonders
hohen Wert besitzen, so könnte man glauben, dass es
sich um ein finanzielles Moment handele. Dies kann aber unmöglich
ausschlaggebend gewesen sein, da wir von derartig
hochwertigen Artikeln nur eine sehr geringe Einfuhr haben,
so dass wenig an Zollerträgeu einkommen dürfte. Das gleiche
Moment spielt mit, wenn es sich um den Gedanken handelt,
dass die Fertigfabrikation durch höhere Zölle auf Fertigfabrikate
entschädigt werden könnte für die Verteuerung ihrer Rohund
Halbstoffe. Die Fertigfabrikation ist in Deutschland diejenige,
welche an der Ausfuhr am allermeisten beteiligt ist;
sie erfährt auch vom Auslande auf dem heimischen Markt nur
eine verhältnismässig geringe Konkurrenz. Der höhere Zollschutz
könnte sie also nur in sofern für die Verteuerung ihrer
Rohstoffe entschädigen, als er ihr ermöglichte, die Preise im
Inlande heraufzusetzen. Sie könnte dies natürlich nur tun,
auf dem Wege der Kartellierung. Es ist aber Tatsache, dass
die Kartellierung in der Fertigfabrikation wesentlich schwieriger
ist, als in der Roh- und Halbstofferzeugung. Das beruht
darauf, dass die Produktionsverhältnisse bei der Fertigfabrikation
vielgestaltiger und mannigfaltiger sind, als bei der Halbzeugfabrikation,
welche in mehr gleichförmigen Produktionsprozessen
erfolgt. Zum Mindesten würde also hei gleichmässiger Zollerhebung
für Halbzeuge und Fertigfabrikate Kartellierung hei
den Halbzeugfabrikanten leichter und schneller vor sich gehen,
als bei den Fertigfabrikanten und sie würde in jedem Falle
bei den ersteren mächtiger sein. Die Fertigfabrikation aber
würde durch die, infolge der Preissteigerung eintretende Konsumverringerung,
weitaus mehr geschädigt werden, als die Halbzeugfabrikation,
welche in vielen Fällen den Inlandsmarkt heute
schon nicht zu decken vermag.
Aber eine noch grössere Schädigung enthalten die Zölle
auf Fertigfabrikate. Das böse Beispiel steckt in der Zollpolitik
so schnell wie nirgends an und es könnte der Exportindustrie
nichts unwillkommener sein, als wenn auf ihre hochwertigen