Full text: Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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sie wollte „die Volkswirtschaft wieder in richtigem Zu 
sammenhänge mit der ganzen übrigen Kultur verstehen 
lernen.“ Man ging zu dem Zwecke an die „methodische 
Einzelforschung“ und „realistische Detailforschung in der 
Wirtschafts-Geschichte“ und 1897 glaubte auch Schmoller 
an den Erfolg dieser Bemühung: „Die Volkswirtschafts 
lehre“, so meinte er damals, „ist aus einer bloßen Markt- 
und Tauschlehre, einer Art Geschäfts-National-Ökonomie, 
welche zur Klassenwaffe der Besitzenden zu werden drohte, 
wieder eine große moralisch-politische Wissenschaft 
geworden.“ Den Erfolg dieser Metamorphose für die 
wissenschaftliche Erkenntnis, für die Summe der fest 
stehenden Wahrheiten schätzte Schmoller offenbar sehr 
hoch ein. Der Bestand dessen, was heute von allen als 
gesicherte Wahrheit anerkannt werde, sei ganz erheblich 
gewachsen; viele Kontroversen seien aus der wissenschaft 
lichen Diskussion verschwunden. Als einziges Beispiel 
dafür wurde in der Rektoratsrede die Kontroverse „über 
Schutzzoll und Freihandel“ genannt. — Wenige Jahre 
später hat es sich ja in so drastisch deutlicher Weise ge 
rade bei diesem Punkte offenbart, daß Schmoller doch 
viel zu optimistisch über „feststehende Wahrheiten“ in 
der deutschen National-Ökonomie urteilte. 
Im ganzen wird, so glaube ich, kaum ein begründeter 
Widerspruch laut werden gegenüber folgender Äußerung- 
Richtung selbst die ungeheuer großen und dauernden Variationen der 
„empirischen Welt“ hervorhoben; ich zitiere zum Belege nur zwei Sätze 
aus Schmollers Streitschrift gegen Treitschke: „Ehe und Eigentum sind 
äußere Formen des positiven Rechts, in welchen die sittliche Idee sich 
darstellt; aber es sind Formen, die selbst in ewiger Umbildung be 
griffen sind“. . . „Jede Zunahme der Bevölkerung, jede große Än 
derung der Technik, des Verkehrs erzeugt notwendig eine andere volks 
wirtschaftliche Lebensordnung“. . . Grundfragen S. 41 bezw. S. 53.
	        
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