Full text : Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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Wie  wirkten  aber  diese  Ideen,  nachdem  die  Massen  sie  in
sich  aufgenommen  hatten?  Ein  furchtbares  Ringen  der
Völker  untereinander,  das  Jahrzehnte  dauerte  und  unermeßliche ­
  Opfer  kostete,  waren  die  Folgen.  Und  auch  nach
Beendigung  dieser  Kämpfe  waren  die  Ideen,  die  dazu
führten,  noch  längst  nicht  ausgestorben;  noch  heute  stehen
wir  unter  dem  Einflüsse  von  wahren  und  falschen  Ideen,
die  in  der  Zeit  der  französischen  Revolution  populär  wurden,
die  aber  doch  schon  viel  früher  geboren  waren.  Auf  ein
anderes  Beispiel,  das  zeigt,  wie  lange  es  dauert,  bis  gewisse ­
  von  Theoretikern  ausgesprochene  Grundsätze  zur
politischen  Verwirklichung  gelangen,  weist  Diehl  hin');
es  ist  die  Geschichte  der  Freihandelsidee.  Der  Gedanke,  der
schon  1776  von  Adam  Smith  eingehend  dargelegt  wurde,
gelangte  erst  7  Jahrzehnte  später,  1846  durch  die  Aufhebung ­
  der  englischen  Getreidezölle  zur  praktischen  Verwirklichung. ­

Warum  ich  diese  massenpsychologischen  Probleme
hier  berührt  habe?  Weil  ich  glaube,  daß  man  von  ihnen
ausgehen  muß,  wenn  man  die  Beziehungen  zwischen
„öffentlicher  Meinung“  und  „Wissenschaft“  untersuchen
will.  Schon  vor  drei  Jahrzehnten  meinte  Holtzendorff  1  2 ),
die  Staatswissenschaft  habe  den  Beruf,  Erzieherin  der
öffentlichen  Meinung  zu  sein,  er  dachte  dabei,  abgesehen
von  der  Staatsrechtslehre,  hauptsächlich  an  die  Volkswirtschaftslehre. ­
  Dieser  Gedanke  ist  inzwischen  häufig  in
dieser  oder  jener  Form  wiederholt  worden.  Beachtenswert
scheinen  mir  besonders  einige  Ausführungen  zu  sein,  die
1)  Blätter  für  vergleichende  Rechtswissenschaft  und  Volkswirtschaftslehre. ­
  1.  Jahrg.  (1905)  S.  46.
2)  „Wesen  und  Wert  der  öffentlichen  Meinung“.  Festgabe  für
Bluntschli,  1879,  S.  144.
            
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