I2Ö
Erwin Respondek,
französischen Wirtschaftsleben, die auch das offene Geständnis der
schwachen Lage der Banken darstellt.
Der Erlaß ordnet eine Frist von vollen 30 Tagen ab 1. August 1914
für die Auszahlung von Bardepots und Kreditsalden aus Konto-Korrent-
guthaben an. Im Laufe des genannten Zeitraums hat jeder Gläubiger
jedoch das Recht, sein Guthaben, das unter 250 Frcs. groß ist, voll
abzuheben. Über den Betrag von 250 Frcs. hinaus kann er aber nur
noch 5 % vom Überschuß abheben. Besitzt er also z. B. bei seiner
Bank ein Kreditsaldo von 1250 Frcs., so ist die Bank zur nachstehenden
Auszahlung laut Gesetz verpflichtet:
Ursprünglicher Kreditsaldo -j- 1250,00 Frcs.
Fester Satz der Auszahlung 250,00 Frcs.
5 °/ 0 des Überschusses von 1000,00 Frcs. 50,00 „
Gesamtabhebungssumme 300,00 Frcs. — 300,00 ,,
Kreditsaldo ab neuen Datums + 950,00 Frcs.
Unabhängig von dieser Limitierung ist der Bankgläubiger berechtigt,
höhere Rückzahlungen in einigen durch den Erlaß gleichzeitig angeord
neten Fällen zu erwirken. Übt er z. B. einen landwirtschaftlichen, in
dustriellen oder kaufmännischen Beruf aus, in dem er ein Arbeiter
und Angestelltenpersonal beschäftigt, so muß die Bank ihm von seinem
Guthaben an einem jeden Lohntage den Gesamtbetrag der Löhne —
unter Vorlegung der Lohnliste — auszahlen. Alle zur Erwerbung von
Rohstoffen notwendigen Kapitalien unterliegen den Beschränkungen
des Moratoriums gleichfalls nicht. Dem Landwirt sind für seine Einkäufe
an Sämereien, Dünger, Nutz- und Zugvieh usf. keine Limite gezogen.
Der Industrielle kann beliebige Summen zum Ankauf von Rohstoffen
aufwenden. Die Auszahlung seitens der Bank für die Ausnahmefälle
erfolgt jedoch zu Händen des Lieferanten unter Vorlegung der Faktur.
Die Industriellen und Lieferungsunternehmer, die Aufträge für die Be
dürfnisbefriedigung der Landesverteidigung erhielten, dürfen alle er
forderlichen Summen in voller Höhe abheben. Das Recht der Ab
hebung wurde weiterhin ausgedehnt auf alle Depotinhaber, die Gelder
zum Zwecke der Bezahlung von direkten und indirekten Steuern, Ab
gaben jeder Art an den Staat, die Departements und Gemeinden be
nötigen. Hier erfolgt die Auszahlung zugunsten jener öffentlichen Ver
waltungen mittels Scheck an die Order des berechtigten Staats- oder
Gemeindebeamten. Die ergänzende Verordnung vom 29. August ver
fügt aber, daß alle diese erweiterten Abhebungen in keinem Falle mehr
als 60 % des Kreditsaldos vom 2. August 1914 überschreiten dürfen.
Es ist dies ein Schutz gegen zu hohe Abhebungen. Nur Gelder für die
Zahlung von Leibrenten, Steuern und die für die Heereslieferungen
nötigen Summen sind in voller Höhe — also unbeachtet aller Einschrän
kungen — auszuzahlen.
Von Monat zu Monat wurde dieses Bankmoratorium prolongiert.
Zu gleicher Zeit sorgte aber die Regierung durch Erweiterung der Aus