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internationalen Handel im allgemeinen beide beteiligten Parteien zu leiden
haben ; ob aber beide gleich viel leiden, das ist eine durchaus konkrete
Frage; eine allgemeine Antwort läßt sich auf dieselbe
nicht geben. Norman Angell hat in seinem Buche „Die große Täuschung“
obige Behauptung aufgestellt, ohne daß es ihm aber gelungen wäre, sie zu
beweisen. Seine sehr lesenswerten Ausführungen zeigen nur, daß die Komplikation
des heutigen Weltmarkts eine isolierte Beeinflussung in einer einzigen
Richtung schwer, ja unmöglich macht.
Wenn wir von den Schädigungen sprechen, die ein Weltkrieg der Zukunft
nach sich ziehen kann, empfiehlt es sich, einen Blick auf die Ziffern des internationalen
Handelsverkehrs zu werfen. Denken wir uns einen Zusammenprall
zwischen Tripleentente und Dreibund. Welche Handelsentwicklung Deutschlands
Rußland gegenüber steht auf dem Spiele, welche Vorteile kann eventuell
England dadurch erringen, daß Deutschland zeitweilig ausgeschaltet wird?
Tabelle XXVIII gibt uns davon einen, wenn auch nur ungefähren Begriff.
Tabelle XXVIII.
Rußlands Handel mit Deutschland und England
in Millionen Rubel
Einfuhr aus:
Deutschland .
England . . •
1906
270
104
1907
316
115
1908
320
121
1909
363
127
1910
450
154
1911
488
155
Ausfuhr nach:
Deutschland .
England . . .
1906
284
225
1907
291
228
1908
279
220
1909
387
289
1910
391
315
1911
490
337
Die zunehmende Beteiligung Deutschlands am russischen Außenhandel trägt
natürlich nicht dazu bei, einen Krieg mit Rußland besonders wünschenswert
erscheinen zu lassen, zumal Deutschlands Politik überhaupt darauf aus ist, es
sich mit Rußland nicht ganz zu verderben. In einem Weltkrieg kann
England unter Umständen Deutschlands Seehandel völlig
lahmlegen und Rußland allein mit Waren versorgen. Zwar
wissen wir, daß auch kleine Flotten Erfolge erzielen können, wie dies bei
Lissa der Fall war, aber solche Erfolge sind überaus unwahrscheinlich.
Freilich, wenn der Krieg siegreich für Deutschland endigt,
kann es den Handelsvertrag mit Rußland zu seinen Gunsten einrichten ; aber
ob die während des Krieges erlittenen Schäden damit ausreichend
gedeckt sind, bleibt fraglich, zumal man selbst nach
einem siegreichen Kriege kaum alle jene Bezieh^ungen beseitigen könnte, welche
die Engländer inzwischen in Rußland angeknüpft haben dürften. Dazu kommt
noch, daß in solchen Fällen auch dritte Staaten Boden gewonnen haben können,
und aut deren Tätigkeit hat selbst der Sieger begreiflicherweise nur geringen
Einfluß. Die Intervention Dritter läßt Zollkriege also überaus bedenklich
erscheinen. Österreich-Ungarn ist aus dem Zollkrieg mit Rumänien geschädigt
hervorgegangen, es hat auch durch den Zollkrieg mit Serbien schwer gelitten.
Die Italiener und Deutschen, die politischen und militärischen Bundesgenossen
der Monarchie haben die Gelegenheit benützt und haben sich in Serbien sofort
festgesetzt. Als der Zollkrieg zu Ende war, hat Österreich-Ungarn nur einen
Teil der früheren Position wieder gewonnen.