Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

zu  bezahlen,  Schranken  gesetzt  werden.  Die  Notwendigkeit,  die  sich  für  die
Sparkassen  z.  B.  ergibt,  Staatspapiere  zu  realisieren,  ist  sehr  bedenklich,  weil
der  Kurs  derselben  dadurch  fällt  und  die  Unterbringung  weiterer  Anleihen
erschwert  wird;  auch  sind  die  Sparkassen  so  außerstande,  neue  Renten  anzukaufen. ­
  Alle  Beruhigungsversuche,  Versprechungen  der  Regierungen  oder  der
Zentralnotenbanken,  Geld,  vor  allem  das  viel  begehrte  Gold  zur  Verfügung  zu
stellen,  haben  natürlich  nur  insofern  Sinn,  als  sie  den  Geldabfluß  aufhalten.
Sollte  das  durch  die  Versprechungen  allein  nicht  erreicht  werden,  so  wäre  es
zuweilen  überaus  bedenklich,  sie  zu  halten.  Der  Regierung  müßte  von  vornherein ­
  ein  Mittel  in  die  Hand  gegeben  werden,  um  im  Notfall  diese  Schwierigkeiten ­
  vermeiden  zu  können.  Bekanntlich  ist  es  nicht  der  sogenannte  Angstbedarf ­
  allein,  der  Geld  absaugt.  Die  Auslandszahlungen  nehmen  erfahrungsgemäß ­
  zu,  insbesondere  anfangs,  wenn  Kriegsbedarf  durch  den  Staat  oder
durch  Firmen  beschafft  werden  muß.  Der  Goldabfluß  ins  Ausland  kann
nicht  erheblich  eingeschränkt  werden,  ohne  den  Kredit  zu  erschüttern.  Es
hat  sich  nun  keineswegs  als  zweckmäßig  erwiesen,  den  Auslandskredit  zu
erschüttern,  um  dem  Publikum  in  liberalster  Weise  Metallgeld  für  seine
Horte  zur  Verfügung  zu  stellen.  Was  hat  es  der  österreichischen  Nationalbank ­
  genützt,  daß  sie  im  Jahre  1849  die  Barzahlung  möglichst  lange  aufrecht
erhielt?  Das  Silber  wurde  verschleppt  und  mußte  dann  um  jeden  Preis
wieder  beschafft  werden.  Das  Beste  ist,  im  Falle  der  Abfluß  ins  Inland
nicht  von  selber  aufhört,  resolut  die  Hähne  zu  sperren.  Doch  ist  es  zweckmäßig, ­
  die  Vorkehrungen  nicht  erst  im  Notfall  zu  treffen,  da  Not  zwar
erfinderisch,  aber  keineswegs  bedächtig  macht.  Was  die
Not  schafft,  ist  meist  unbeliebt,  und  man  schreibt  dem  Papiergeld  mit  Annahmezwang ­
  und  Zwangskurs  wohl  gar  die  bösen  Folgen  zu,  die  es  zu  verringern ­
  bestimmt  ist.  So  war  z.  B.  das  Papiergeld  des  Jahres  1866  in
Österreich  sehr  unbeliebt,  während  sich  das  uneinlösliche  Bankpapiergeld,  das
in  aller  Ruhe  geschaffen  wurde,  großer  Beliebtheit  erfreut,  so  daß  z.  B.
die  Umwechslung  des  uneinlöslichen  Staatspapiergeldes  in  uneinlösliches  Bankpapiergeld ­
  als  ein  großer  Fortschritt  angesehen  wurde.  Wesentlich  für  eine
Währung  mit  uneinlöslichem  Bankpapiergeld  ist  nur,  daß  für  Auslandszahlungen ­
  Gold  in  genügender  Menge  zur  Verfügung  steht.  Nur  der
Bevölkerung  wegen,  zumal  der  ländlichen,  muß  man  einiges  Silber-  und  Goldgeld ­
  umlaufen  fassen.  Die  gegenwärtige  österreichische  Währung  ist  derart
eingerichtet,  daß  die  tatsächlich  bestehende  Barzahlung  jederzeit  in  eine
gesetzliche  umgewandelt  werden  kann.  Im  Kriegsfall  z.  B.  kann  die
Österreichisch-ungarische  Bank,  ohne  eine  gesetzliche  Ermächtigung ­
  nötig  zu  haben,  die  Banknoteneinlösung  beliebig  einschränken
und  z.  B.  nur  für  genügend  dokumentierte  Auslandszahlungen  Gold  zur  Verfügung ­
  stellen.
Es  fragt  sich  nun,  ob  nicht  ähnliche  Vorkehrungen  möglich  wären,  welche
den  Ansturm  auf  die  Sparkassen  und  verwandte  Institute  unschädlich  zu
machen  geeignet  erscheinen.  Es  soll  einerseits  das  Zahlungswesen  möglichst
unverändert  bleiben,  anderseits  möglichst  viel  Gold  in  den  Zentralreserven
gesammelt  werden.  Es  erscheint  erwägenswert,  alle  Guthaben  bei  Banken, ­
  Sparkassen  und  verwandten  Instituten  im  Kriegsfall  für  un  ein  lösliche ­
  Giroguthaben  zu  erklären,  über  die  nur  mit  Schecks  „zur
Verrechnung^'  verfügt  werden  könnte.  Dies  hätte  u.  a.  folgende  Vorteile. ­
  Die  vorhandene  Geldmenge,  über  welche  der  Einzelne  verfügen  kann,
bleibt  völlig  unverändert,  da  man  zwar  Goldgeld  versteckt,  mit  Girogeld  aber
nicht  entsprechend  sparen  würde.  Zahlungen  könnten  ungehindert  geleistet
werden,  zumal  dann,  wenn  das  G  i  r  o  g  e  1  d  zum  Kurantgeld  erhoben
würde.  Man  zahlt  dann  dem  Hausherrn  den  Zins,  dem  Fleischer  das  Fleisch,
dem  Angestellten  das  Gehalt  ini  Girogeld.  Nur  eine  verhältnismäßig  geringe
Menge  Scheidegeld  müßte  für  den  Detailverkauf  in  Umlauf  bleiben.  Muß
jemand  an  einen  anderen  Zahlungen  leisten,  der  kein  Konto  besitzt,  so  wird
demselben  zwangsweise  eines,  z.  B.  bei  der  Postsparkasse,  eröffnet,  welche
ja  ihr  Filialnetz  bis  in  die  kleinsten  Ortschaften  erstreckt.  Es  würden  voraussichtlich ­
  keine  Schwierigkeiten  auftreten,  die  man  nicht  beim  Papiergeld  ohne-
            
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