Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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zu  haltenden  Fragen  zur  öffentlichen  Diskussion  gelangen.^»)  Der  gegenwärtige
Zustand  ist  nur  ungenügend  gesetzlich  geregelt.  Es  ist  fraglich,  ob  in  absehbarer
Zeit  überhaupt  eine  Regelung  möglich  ist,  etwa  in  der  Weise,  daß  bestimmten  Ausschüssen ­
  auf  Grund  gesetzlicher  Bestimmungen  Einblick  in  Aktenstücke  gewährt
wird,  die  die  äußere  Politik  betreffen.  HeuteherrschteingewissesMißtrauen
  gegen  die  Diplomatie  und  die  von  ihr  verwendeten
Dokumente.
Die  Zahlungsmittelpolitik  bei  Kriegsausbruch  kann  verschieden  sein.  Der
Staat  kann  z.  B.  den  Versuch  machen,  jede  Störung  des  Zahlungswesens  dadurch
zu  verhindern,  daß  er  die  Forderung  nach  Gold-  und  Silbergeld  befriedigt.  Besonders ­
  ein  Staatskriegsschatz  oder  ein  entsprechender  Bargeldüberschuß  der
Notenbank  kann  in  solchen  Fällen  überaus  wirksam  benutzt  werden.  Sei  es,
daß  er  teilweise  direkt  verausgabt  wird,  sei  es,  daß  er  als  Bardeckung  für  die
Notenemission  verwendet  wird.  Der  Finanzminister  kann  in  solchen  .Augenblicken
die  Erklärung  abgeben,  daß  den  Sparkassen  und  Depositenbanken,  die  einem  Run
ausgesetzt  sind,  Gold  zur  Verfügung  gestellt  werde.  Es  kann  mitunter  ganz
zweckmäßig  sein,  so  einiges  Gold  oder  Silber  abströmen  zu  lassen,  das  dann
entweder  versteckt  wird  oder  ins  Ausland  geht.  Sollte  das  Versprechen  der
dauernden  Goldabgabe  aber  nicht  das  Resultat  haben,  daß  sie  unnötig  wird,  so
wäre  es  oft  recht  bedenklich,  wenn  dies  Versprechen  gehalten  würde.loo)  Auslandszahlungen ­
  würde  man  dagegen  möglichst  lange  in  Edelmetall  leisten,  um  den
Auslandskredit  nicht  zu  erschüttern,  wie  denn  auch  bei  sogenannten  Staatsbankerotten ­
  vielfach  die  auswärtigen  Gläubiger  weiterhin  in  Gold,  die  inlänr
dischen  in  Papiergeld  bezahlt  werden.  Merkt  dagegen  eine  Notenbank,  daß  sie
die  Barzahlungen  nicht  werde  aufrecht  erhalten  können,  so  tut  sie  wohl  am
klügsten,  die  Zahlungen  sofort  einzustellen.  Es  wird  der  Österreichischen
Nationalbank  vorgeworfen,  daß  sie  sich  im  Jahre  1848  alles  Silber  absaugen  ließ.
Österreich  mußte  das  Silber  dann  für  Kriegszwecke  teuer  zurückkaufen.Wenn
die  Beruhigung  des  Verkehrs  durch  Abgabe  einer  mäßigen  Menge  von  Währungsmünzen ­
  102)  nicht  zu  erreichen  ist,  kann  der  Staat  nicht  selten  mit  Erfolg
den  Inlandverkehr  mit  Hilfe  von  uneinlöslichem  Zettel-  los)  und  Girogeld
aufrecht  erhalten.  Es  würde  so  eine  vollständige  Trennung  des  Inlandgeldes
  vom  Welt  geld  erfolgen,  die  von  vielen  Theoretikern  und  Praktikern
seit  langem  erörtert  wird.i®^)  Die  Anhänger  dieser  Richtung  sind  gewöhnlich
auch  Vertreter  der  bewußten  Regulierung  der  Wechselkurse.
Ehe  man  aber  zu  diesem  äußersten  Mittel  schreitet,  kann  zunächst  der
Versuch  gemacht  werden,  die  Goldabgabe  in  den  Fällen  einzuschränken,  wo  sie
nicht  unbedingt  erforderlich  ist.  So  hatte  z.  B.  die  Russische  Reichsbank  vor
dem  Ausbruch  des  Russisch-Japanischen  Krieges  den  Auftrag  erhalten,  möglichst
Gold  und  nur  auf  Verlangen  Papier  abzugeben,  da  man  die  Bevölkerung  an
den  Goldumlauf  gewöhnen  wollte.  Als  der  Krieg  ausbrach,  wurde  dagegen  die
Bank  angewiesen,  grundsätzlich  in  Papier  zu  zahlen  und  nur  auf  Verlangen  Gold
abzugeben.  Auch  wurden  nun,  im  Gegensatz  zu  früher,  Noten  in  kleinerer

09)  Vgl.  Bismarcks  Reden.  Edit.  Reclam,  II,  S.  176  f.  Abgeordnetenhaus. ­
  21.  Januar  1864.
100)  o.  Neurath,  Uneinlösliches  Girogeld  im  Kriegsfälle.  Jahrb.  f.
Gesetzgeb.,  Verwalt,  u.  Volkswirtsch.  i.  D.  Reiche.  XXXIII,  S.  979.
101)  K  Kram  aï-.  Das  Papiergeld  in  Österreich  seit  1848.  Leipzig  1886,  S.  7.
102)  Auch  Kurantgeld  kann  eventuell  die  Bevölkerung  beruhigen,  in  Österreich ­
  also  die  Silbergulden,  oder  sogar  bestimmtes  Scheidegeld,  in  Österreich
vor  allem  die  in  manchen  Kreisen  sehr  beliebten  Fünfkronenstücke.
103)  Sollte  die  Banknote  noch  nicht  Kurantgeld  sein,  so  wird  sie  im  Kriegsfälle ­
  gewöhnlich  dazu  gemacht.
104)  Vgl.  J.  Steuart,  a.  a.  O.  IV,  S.  78.  „Coin  we  have  called  the
money  of  the  world,  as  notes  may  be  called  the  money  of  the  society.  The
first  then  must  be  procured  when  we  pay  a  balance  to  foreigners;  the  last  is
full  as  good  when  we  pay  among  ourselves.“  Vieles  über  die  Geldreform
findet  sich  auch  bei  Law.
            
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