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auf die ich noch zurückkommen werde. Ich möchte aber darauf hinweisen, daß
manche der Auslandsguthaben auch Silberguthaben sein können, so z. B. wenn
die Bank ein Guthaben in Mexiko besitzt, welches die Silberwährung hat.
Die Weltzahlungsmittel, vor allem Gold, aber auch Golddevisen und Gold
schecks, die im Kriegsfall benötigt werden, stammen in erster Reihe aus:
a) Kriegsschätzen,
b) Anleihen,
c) Steuern.
Die Schaffung von Inlandszahlungsmitteln, welche wir im vorhergehenden
Hauptabschnitt besprochen haben, findet natürlich hier keine Analogie,
2. Kriegsschatz.
Bei den für den Kriegsfall bereitstehenden Weltzahlungsmitteln ist es, wie
schon erwähnt, von untergeordneter Wichtigkeit, ob sie, wie in Deutschland,
zu einem gewissen Teil unter der ausdrücklichen Bezeichnung „Kriegsschatz“
im Juliusturm angesammelt sind oder sich, wie bei uns, vorwiegend in den
Kassen der österreichisch-ungarischen Bank befinden. Auch die russische Noten
bank weist erhebliche Goldbestände auf, die im Kriegsfall große Dienste leisten,
auch dann, wenn sie nicht von der Regierung unmittelbar angetastet werden,
sondern vorwiegend dazu dienen, die internationalen Zahlungsbeziehungen auf
rechtzuerhalten. Ein großer Goldschatz stärkt an und für sich 'das Prestige, wes
halb er heute von den Banken sehr soigfältig gehütet wird.
Die Bedeutung des Goldschatzes ergibt sich aus den Beziehungen desselben
zur gesamten Währung, Als Österreich-Ungarn 1892 zur Goldwährung überging,
geschah dies nicht deswegen, weil an sich die Zirkulation goldener Münzen im
Inlande besser wäre, als die Zirkulation von Papiergeld. Biis zum Jahre 1892
hatte Österreich-Ungarn eine Zeichengeldwährung, da sowohl die Noten, als
auch der Silbergulden, dessen freie Ausprägung, wie wir oben gesehen haben,
eingestellt worden war, Zeichengeld waren. Die Währungsreform von 1892
war nicht etwa dadurch besonders bedeutsam, daß nun „Gold“ als Zahlungs
mittel, sondern, daß dasselbe Währungsmetall eingeführt wurde,
welches die anderen großen Staaten benützen. Daß man aber
in der ganzen Welt daran ging, von der Silberwährung zur Goldwährung über
zugehen, hing mit den großen Silberausbeuten zusammen und den dadurch her
vorgerufenen Veränderungen aller Preise. Wenn heute massenhaftes Gold ge
funden würde, könnte dies ebenfalls eine plötzliche Preisveränderung erzeugen
und den Übergang zu einem anderen Währungsmetall veranlassen.
Wie wirkt nun die Gleichheit des Währungsmetalles auf den internationalen
Handel? Wenn man von einem Staat sagt, er habe Goldwährung, so meint
man damit in erster Linie, daß er Gold ankauft. Wenn jemand in Österreich-
Ungarn ein Kilogramm Gold besitzt, kann er jederzeit bei der österreichen odei
ungarischen Münze 3274 K in Goldmünzen österreichischer oder ungarischer
Prägung erhalten, oder bei der österreichisch-ungarischen Bank 3278 K in Noten.
Diese Differenz von 4 K stellt eine Art Prämie dar, welche dazu dient, die Ver
käufer von Gold zu veranlassen, lieber Noten statt Goldmünzen zu übernehmen.
Sie dient der Gold Sammlungspolitik der Notenbank. Wenn
man aber für ein Kilogramm Gold immer auf Grund gesetzlicher Bestimmungen
einen bestimmten Preis ausbezahlt erhält, so bedeutet das, daß in Wien oder
in Budapest auf dem Goldmarkt der Preis des Kilogrammes Gold nicht unter
3278 K sinken kann. Denn wer würde einem anderen das Kilogramm Gold billiger
abgeben, wenn er von der Notenbank 3278 K erhält? Der Staat kann so den
Goldpreis konstant erhalten, wie er etwa den Eisenpreis, den Rohölpreis oder den
Preis irgendeiner anderen Ware konstant erhalten könnte.
Derartige Maßnahmen, um irgendwelche Preise konstant zu erhalten, sind
zu allen Zeiten vorgekommen, es fragt sich immer nur, in wessen Interesse. Alle
derartigen Vorkehrungen sind zuweilen von erheblicher kriegs- und militärwirt
schaftlicher Bedeutung. Die Chinesen haben in alten Zeiten z. B. den Reispreis
konstant zu erhalten gesucht. Der Reis ist dort das Hauptnahrungsmittel und die
Konstanterhaltung des Reispreises daher von großer gesellschaftlicher Wichtig
keit. Durch die Preisregulierung konnte die Regierung einerseits den Reis-