Full text : Sozialismus und Regierung

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Vor  allen  Dingen  wird  der  Premierminister  selbst  vom  Volke  bezeichnet, ­
  er  ist  das  nationale  Haupt  seiner  Partei.  Selbst  in  den  Tagen,  wo
es  noch  kein  demokratisches  Wahlrecht  gab,  konnte  Georg  III.  Pitt
nicht  lange  vom  Amte  entfernt  halten.  Die  Königin  Viktoria  konnte
sich  Palmerstons  nicht  entledigen,  solange  das  Volk  fest  zu  ihm  hielt,
und  durfte  ihren  feindseligen  Gefühlen  gegen  Gladstone  nicht  im  Widerspruch ­
  mit  der  öffentlichen  Meinung  frönen.  Als  1880  der  Ruf  an  die  liberale ­
  Partei  erging,  die  Geschicke  des  Landes  in  die  Hand  zu  nehmen,
konnte  Lord  Hartington,  der  damals  ihr  Chef  war,  das  Ministerium
nicht  bilden,  noch  vermochte  es  Granville;  denn  Gladstone  war  des
Volkes  Erwählter.  Der  Ministerpräsident  ist  in  Wirklichkeit  der  Auserwählte ­
  des  Volkes,  was  immer  die  nominellen  Formalitäten  seiner
Berufung  sein  mögen.
Mir  liegt  nichts  daran,  daß  das  Haus  der  Gemeinen  die  Minister  direkt
wähle.  Eine  zu  hohe  Prämie  würde  dann  auf  das  bloße  Reden  gesetzt  werden. ­
  Große  Personengruppen,  wie  parlamentarische  Parteien,  schenken
eben  eloquenten  Appellen,  die  die  Urteile  einer  Menge  in  Gefühlssachen
oder  Prinzipienfragen  ins  Schwarze  treffen  lassen,  ihnen  aber  in  konkreten ­
  Einzelheiten  undVerwaltungsangelegenheiten  so  unheilvoll  sind,  ein
geneigteres  Ohr.  Außerdem  wäre  ein  vom  Parlamente  direkt  nominiertes ­
  Ministerium  nicht  einen  Deut  unabhängiger,  als  ein  nach  heutiger
Methode  zusammengesetztes,  während  es  Elemente  lästiger,  unbequemer ­
  Reibung  viel  leichter  enthalten  und  ausbrüten  kann.  Wenn
auch  das  jetzige  Verfahren  willkürlich  erscheinen  mag,  so  haben  die
Ministerpräsidenten  doch  keine  absolute  Freiheit  bei  der  Verteilung
der  Portefeuilles.  Indem  das  Haus  zeigt,  daß  es  von  bestimmten  Männern ­
  beeinflußt  wird  und  ihren  Ratschlägen  Aufmerksamkeit  spendet,
wählt  es  sie  für  die  Ministerposten  aus.  Der  Chef  der  Regierung  muß
ihnen  bei  nächster  Gelegenheit  ein  Amt  überlassen,  will  er  sich  nicht
das  Vertrauen  seiner  Partei  verscherzen.  Gewiß  kennt  diese  Regel
schreiende  Ausnahmen,  aber  eine  Regel  bleibt  es  trotzdem.
Es  ergibt  sich  eine  ganz  natürliche  Ordnung  von  Verantwortlichkeiten. ­
  Der  Ministerpräsident  ist  eine  nationale  Gestalt,  er  wird  vom
lag  vielmehr  in  erster  Linie  darin,  daß  das  Glück  der  Liberalen  nach  einer  langen
Periode  der  Opposition  ganz  plötzlich  umschlug  und  die  Männer,  die  einen  Posten
hätten  erhalten  können,  nicht  erprobt  waren.  Der  andere  Grund  war,  daß  das
Kabinett  vor  den  allgemeinen  Wahlen  konstituiert  werden  mußte  und  der  Premierminister ­
  deshalb  über  die  wirklichen  Anforderungen  der  öffentlichen  Meinung
im  dunklen  war.
            
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