8 Mac Donald, Sozialismus
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des Marineministeriums zu vertauschen. Das Kabinett ist keine Ver
einigung von Sachverständigen in irgendeiner Sache. Wäre dem so, so
wäre seine korporative Verantwortlichkeit für die Regierungsakte nur
ein Schein. Das Kabinett ist ein Kollegium von Männern, die einerseits
gesunden Menschenverstand bekunden, intelligent, geschäftskundig
und von praktischer, erprobter Tüchtigkeit sind und mit der öffent
lichen Meinung in Fühlung stehen und deshalb eine bestimmte Politik
verfolgen; andererseits ist es eine Kontrollbehörde über einen Stab von
Fachleuten, die die Detailarbeit der einzelnen Ministerien kennen. Die
ständigen Beamten befolgen die Direktiven ihrer Minister, diese ge
horchen wieder der öffentlichen Meinung. Das Kabinett ist die Brücke,
die das Volk mit dem Fachmanne verbindet, das Prinzip mit der Praxis
verknüpft. Seine Funktion besteht darin, die von den Empfindungs
nerven übermittelten Instruktionen in Befehle zu verwandeln, die durch
die Bewegungsnerven vermittelt werden. Es hält dieBureaukratie nicht
im Gange, sondern gibt ihr nur eine bestimmte Richtung an. Dies ist
die maßgebende Ansicht von den Beziehungen zwischen den Ministern
und den Staatsbeamten. Von diesem Standpunkte ist es also durchaus
nicht nötig, daß die Minister während ihrer Amtsdauer nur in einer und
derselben Abteilung der Staatsverwaltung bleiben sollen, wenn auch ein
häufiger Wechsel natürlich zu verwerfen ist. Es ist nicht wünschenswert,
daß die Minister dieselben Portefeuilles konservieren; denn die kollektive
Verantwortlichkeit desKabinetts, die wir als ein wesentliches Stück einer
verantwortlichen Regierung betrachten, wird um so wirkungsvoller,
wenn die Minister in mehr als einem Zweige Erfahrung gesammelt haben.
Daß das System der Kabinette die Fehler seiner Vorzüge hat, ver
steht sich von selbst. Stets droht die Gefahr, daß es das Monopol we
niger Familien oder einer bestimmten Klasse oder selbst von Männern
wird, die dasselbe College besucht haben. Vor allem hat es die Tendenz,
eine Kabinettsfreimaurerei zu schaffen und Interessen ins Leben zu
rufen, die denen des Hauses der Gemeinen entgegengesetzt sind. Dies
kann am besten dadurch illustriert werden, daß einige Regierungsde
partements die Immunität von der Kritik beanspruchen und auch erhal
ten, wie z. B. das Auswärtige Amt. Die Behauptung, die Tätigkeit dieser
Abteilung sei so verzwickt und delikat, daß sie den eisigen, frostigen Ost
wind der öffentlichen Meinung nicht vertragen könne, ist reine Einbil
dung. Doch strebt sie wahr zu werden, weil die Methoden der