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Volk und
Erwerb
Linthkorrektion
Die regsame und unternehmende Bevölkerung des
Berglandes hat es verstanden, durch die Baumwollindustrie
einen Wohlstand zu erarbeiten, den ihr die Alpwirtschaft
der frühern Zeiten nie hätte verschaffen können. Tal-
einwärts erscheinen überall die fenfterreichen Fronten
und die qualmenden Schlote der Baumwollspinnereien
und -Webereien, die der abgeschlossenen idyllischen Gegend
den Charakter einer hochentwickelten Industrielandschaft
verleihen. Immerhin hat der industrielle Erwerb die
Blütezeit hinter sich; seit 1870 ist die Bolkszahl zurück
gegangen. Ein altvererbter Trieb zum Wandern und
Handeln führt die glarnerische Jungmannschaft in die
Geschäftszentren europäischer und überseeischer Länder;
hier suchen die Ausgewanderten für die heimische Industrie
neue Absatzgebiete und tragen ans diesem Wege zur
Förderung ihrer engern Heimat bei. Die infolge starker
Abwanderung verwaisten Arbeitsplätze in den Glarner
Fabriken werden neuerdings durch ganze Kolonien ita
lienischer Arbeiterinnen besetzt. Die Zahl der Arbeiter
beläuft sich auf rund 8000 bei einer Gesamtbevölkerung
von 33300 Seelen; das spricht deutlich für die hohe
Bedeutung der Industrie. Die Alpwirtschaft und Vieh
haltung tritt nur in einzelnen Produkten hervor; so kennt
man überall den grünen Glarner Schabzieger, der im
Unterland fabrikmäßig hergestellt wird.
Der natürliche Eingang des Landes öffnet sich an
der Linthebene am untern Ende des Walensees. Die
Ebene wurde aus den Geschiebemassen des wilden Berg
flusses aufgeschüttet; das Delta trennte den einst zusammen
hängenden, langen Talsee in die beiden Becken des Walen-
und Zürichsees. Hier fand vor einem Jahrhundert eine
der bedeutendsten Entsumpfungsarbeiten statt. Früher
wurde die Ebene häufig überschwemmt und mit Kies
verschüttet; man leitete nun die Linth zur Geschiebeablage
rung in den Walensee und gab dem Abfluß zum Zürich
see in geradlinigem Kanalbett ein stärkeres Gefälle. Die
Korrektion, angeregt und durchgeführt von Hans Konrad