Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Weltwirtschaft.

laufgebiet  dieser  primitiven  Geldsorten  oft  ein  eng  begrenztes;  von  Stamm  zu  Stamm
wechselt  die  marktgängige  Tauschware.  Einzelne  seltener  vorkommende  Waren,  z.  B.  die
Salztäfelchen  in  salzarmen  Gegenden  besitzen  wieder  ein  weites  Umlaufgebiet,  innerhalb
dessen  ihr  Wert  mit  der  Entfernung  vom  Ursprunglande  stetig  wächst.
So  zeigen  sich  in  dem  Wirtschaftsleben  der  Naturvölker  bereits  die  ersten  Keime  der
wirtschaftlichen  Erscheinungsformen,  die  auf  den  höheren  Stufen  der  Entwickelung  zu
beobachten  sind.  Im  ganzen  sehlt  jedoch  selbst  bei  den  Fortgeschritteneren  unter  ihnen
noch  vieles  an  der  einheitlichen  Geschlossenheit  der  Hauswirtschaft,  mit  der  die  europäischen ­
  Kulturvölker  bereits  in  die  Geschichte  eintreten.  „Überall  klaffen",  wie  Bücher
treffend  sagt,  „noch  tiefe  Risse,  und  dem  Individuum  ist  eine  wirtschaftliche  Selbständigkeit
gewahrt,  die  uns  fremdartig  anmutet"  —  ein  Überbleibsel  aus  der  Zeit  der  individuellen
Nahrungssuche.
Die  geschlossene  Hauswirtschaft.
Die  nächste  Stufe  der  Entwickelung,  die  der  geschlossenen  Hauswirtschaft,  beherrscht
das  Wirtschaftsleben  der  europäischen  Kulturvölker  von  dem  Beginne  unserer  geschichtlichen
Kenntnis  über  sie  bis  in  das  Mittelalter  hinein.  Sie  kennzeichnet  sich  dadurch,  daß  jedes
Hauswesen  für  sich  eine  abgeschlossene  und  sich  selbst  genügende  Einheit  bildet,  innerhalb
deren  sich  der  ganze  Kreislauf  von  der  Gütererzeugung  bis  zum  Verbrauche  vollzieht.
Art  und  Maß  der  Produktion  bestimmt  sich  lediglich  nach  dem  Bedürfe  der  Hausgenossen
(der  Familie,  des  Geschlechtes)  an  Verbrauchsgütern.  Auch  die  gewerbliche  Thätigkeit
ist  ausschließlich  Hauswerk  (Hausfleiß),  das  ist  Produktion  im  Hause  für  das  Haus  aus
selbstgewonnenen  Rohstoffen.  Jedes  Produkt  durchläuft  seinen  ganzen  Werdegang  von
der  Gewinnung  der  Rohstoffe  bis  zur  Genußreife  in  der  gleichen  Wirtschaft.
Dies  bedingt  zunächst  freie  Verfügung  jeder  einzelnen  Wirtschaft  über  den
nötigen  Grund  und  Boden.  Denn  sämtliche  Rohprodukte,  deren  das  Hans,  sei  es
zum  unmittelbaren  Genusse,  sei  es  zur  weiteren  Verarbeitung,  bedarf,  müssen  von  ihm
selbst  gewonnen  werden,  und  sein  Recht  an  Grund  und  Boden  muß  so  weit  reichen,  daß
diese  möglich  wird.  Wer  nicht  aus  eigenem  Rechte  über  den  Boden  verfügt,  kann  keine
eigene  Wirtschaft  führen  und  kann  sein  Leben  nur  fristen,  wenn  er  zum  Knechte  des
Grundeigentümers  wird  und  als  dienendes  Glied  in  den  Bereich  einer  anderen  Hauswirtschaft ­
  eintritt.
Anderseits  setzt  die  geschloffene  Hauswirtschaft  eine  solche  Vielseitigkeit  des  Könnens
und  der  Beschäftigung  voraus,  daß  eine  weitgehende  Arbeitsteilung  unter  den  Gliedern
der  Familie  notwendig  wird,  während  gleichzeitig  die  Einfachheit  der  Arbeitsbehelfe  ein
Zusammenwirken  vieler  bei  einer  Aufgabe  häufig  erfordert.  Eine  Familie  im  heutigen
Sinne,  bestehend  aus  einem  Ehepaare,  dessen  Kindern  und  einigen  Dienstboten  wäre
außer  stände,  allen  diesen  Ansprüchen  gerecht  zu  werden.  Im  Beginne  der  Wirtschaftsgeschichte ­
  finden  wir  daher  als  wirtschaftliche  Einheit  auch  nicht  die  Familie,  sondern  die
Sippe  (Geschlecht,  Gens,  Clan),  das  sind  größere,  aus  mehreren  Generationen  blutsverwandter ­
  Personen  bestehende  Gruppen,  die  gemeinsames  Grundeigentum  haben,
gemeinsame  Wirtschaft  führen,  einen  gemeinsamen  Rechtsschutzverband  bilden.  Die  Niederlassung ­
  erfolgt  gewöhnlich  derart,  daß  die  Geschlechtsgenossen  zusammen  große  Höfe  und
Dörfer  begründen.  Erst  allmählich  scheiden  sich  aus  diesen  großen  Verbänden  kleinere
familiäre  Hausgemeinschaften  aus,  aber  noch  jahrhundertelang  blieb  der  Grund  und
Boden  im  Gemeineigentum  der  Sippe,  und  auch  seine  Bebauung  geschah  lange  Zeit  hindurch ­
  noch  gemeinsam,  wenngleich  der  Verbrauch  der  Früchte  in  jedem  Hanse  gesondert
erfolgte.  Mit  der  fortschreitenden  wirtschaftlichen  Aussonderung  der  einzelnen  Familien
wurde  es  jedoch  immer  schwerer,  den  Ansprüchen  an  die  wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit
zu  genügen,  und  um  die  sich  hieraus  ergebende  Schwächung  der  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit ­
  zu  vermeiden,  wurde  ein  doppelter  Weg  eingeschlagen:
Der  eine  bestand  darin,  daß  man  für  größere  Aufgaben,  denen  die  Einzelfamilie ­
  nicht  gewachsen  war,  die  alten  Geschlechtsverbände  fortbestehen  ließ,  sei
            
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