Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Bochum,  beit  31.  Mai  1916.
An  das  Königliche  Generalkommando  in  Miinster.
Der  ergebenst  unterzeichnete  Vorstand  des  Verbandes  den
Bergarbeiter  Deutschlands  gestattet  sich,  dem  Königlichen  Generalkommando ­
  folgendes  zu  unterbreiten:
Auf  der  Zeche  Westende  IV  in  Duisburg-Meiderich  wurden
dem  Bergmann  Wilhelm  Neumann  im  Februar  d.  I.  über  1009
Zehntel  von  seiner  Kohlenförderung  gestrichen.  Aus  erfolgte  Beschwerde ­
  bei  dem  Betriebsführer  der  Zeche  wurden  die  gestrichenen ­
  Zehntel  dem  P.  Neumann  wieder  gutgeschrieben.  Dies
ist  doch  sicher  ein  Beweis,  daß  die  Zehntelstreichung  zu  Unrecht
erfolgt  war.
Da  im  unterirdischen  Betriebe  es  oft  an  dem  notwendigen
Holz  zum  Verbauen  der  Arbeitsstellen  fehlte,  so  trug  Neumann
dies  und  das  unberechtigte  Zehntelstreichen  in  einer  im  März
d.  I.  stattgefundenen  Belegschaftsversammlunz  vor.  Er  wollte
damit  bezwecken,  daß  der  Arbeiterausschuß  diese  Mißstände  in
der  nächsten  Ausschußsitzung  der  Verwaltung  mit  unterbreiten
sollte.  Die  Zechenverwaltung  kann  es  aber  anscheinend  nicht
vertragen,  daß  ihre  Arbeiter  derartige  Mißstände  in  den  Belegschafts-Versammlungen ­
  zur  Sprache  bringen.  Neumann  mußte
sich  nämlich  am  Tage  nach  der  Versammlung  beim  Betriebsführer ­
  der  Zeche  melden  und  sagte  ihm  dieser:  „Neuniann,
wenn  Sie  so  weiter  machen,  dann  schmeiße  ich  Sie  aus  der  Belegschaft ­
  heraus."
Die  kritisierten  Mißstände  werden  aber  durch  solche
Drohungen  nicht  beseitigt,  denn  der  Holzmangel  besteht  heute
noch  weiter.
Dies  kam  auch  erneut  in  der  am  21.  Mai  d.  I.  stattgefundenen ­
  Belegschaftsversammlung  zur  Sprache.  An  dieser  Aussprache ­
  beteiligte  sich  auch  der  Bergmann  Wilhelm  Neumann.
Merkwürdigerweise  hat  Neumann  am  26.  Mai  den  Gestellungsbefehl ­
  erhalten  und  mußte  sich  am  29.  Mai  stellen.  Bei  der
Stellung  am  29.  Mai  ist  dem  P.  Neumann  gesagt  worden,  daß
seine  Reklamation  nicht  mehr  zöge  und  er  mit  nach  Diedenhofen
abginge.
Infolge  dieser  Vorkommnisse  ist  in  der  Belegschaft  eine
große  Erregung  entstanden.  Es  wird  angenommen,  daß  die
,  Zechenverwaltung  veranlaßt  habe,  daß  Neumann  eingezogen
wurde,  damit  sie  einen  unbequemen  Mahner  los  würde.  Schon
früher  hat  man  den  Arbeitern,  wenn  sie  sich  über  die  Behandlung ­
  oder  Entlohnung  beschwerten,  mit  dem  Schützengraben  gedroht ­
  und  ist  dies  von  unserem  Verbandsvorsitzenden,  dem  Herrn
Reichstagsabgeordneten  Sachse,  auch  bereits  gelegentlich  im
            
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