Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

252

Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Grundsatz,  auf  den  sich  nach  ihnen  alle  Reformatoren  stützen  sollten,
formuliert  worden.  Der  belgische  Nationalökonom  de  Laveleye,  der
von  allen  Volkswirtschaftlern  diese  Fragen  am  gründlichsten  wissenschaftlich ­
  untersucht  hat,  drückt  sich  40  Jahre  später  in  seinem
Werk  über  die  Urformen  des  Eigentums  in  fast  den  gleichen  Ausdrücken ­
  aus J ).
Und  wenn  wir,  fügen  die  Saint-Simonisten  hinzu,  die  Entwicklung ­
  in  der  Vergangenheit  betrachten,  so  konstatieren  wir  gerade,
daß  sie  bestrebt  ist,  sich  in  dem  Sinn,  den  wir  vorschlagen,  zu
organisieren.  Am  Anfang  schließt  das  Eigentum  sogar  die  Menschen
auf  Grund  der  Sklaverei  ein.  Nach  und  nach  wird  das  Recht  des
Herren  an  den  Sklaven  Beschränkungen  unterworfen.  Zum  Schluß
verschwindet  es  vollständig.  Was  die  Sachgüter  anlangt,  auf  die
das  Eigentum  nunmehr  beschränkt  ist,  so  verfügt  der  Besitzer  zunächst ­
  nach  seinem  Belieben  darüber.  Dann  mischt  sich  die  öffentliche ­
  Macht  ein  und  zwingt  den  Vater  dazu,  den  ältesten  Sohn  zu
seinem  Erben  zu  machen.  Zum  Schluß  verordnet  die  französische
Revolution  eine  gleichmäßige  Erbschaftsteilung  zwischen  den  Kindern
und  vermehrt  so  diejenigen,  die  von  den  Produktionsmitteln  profitieren. ­
  Heute  verringert  der  sinkende  Zinsfuß  allmählich  den  Vorteil ­
  des  Eigentümers  an  dem  Produktionsmittel  und  sichert  so  dem
Arbeiter  einen  immer  größeren  Anteil  am  Produkt  Ein  letzter
Schritt  bleibt  noch  zu  tun  übrig,  und  gerade  ihn  kündigen  die
Saint-Simonisten  an:  allen  Arbeitern  ein  gleiches  Recht  ani  Gebrauch
der  Produktionsmittel  zu  sichern,  und  dadurch  jeden  Menschen  zum
Eigentümer  zu  machen,  indem  der  Staat  der  einzige  Erbe  ist.  „Das
Gesetz  des  Fortschrittes,  das  wir  beobachtet  haben,  strebt  nach  einer
Ordnung  der  Dinge  hin,  in  der  der  Staat,  nicht  mehr  die  Familie,
die  angesammelten  Güter  erbt,  insoweit  sie  dasjenige  darstellen,
was  die  Nationalökonomen  Produktionsmittel  (Fonds  de  production)
  nennen 3 }.“

*)  „Ein  anderer,  ebenfalls  recht  verbreiteter  Fehler  ist,  daß  man  vom  Eigentum
spricht,  als  ob  es  eine  Einrichtung  wäre,  die  eine  feste  und  stets  gleich  gebliebene
Form  habe,  während  es  doch  in  Wirklichkeit  die  verschiedensten  Formen  angenommen
hat  und  auch  heute  noch  einschneidender  und  unvorhergesehener  Veränderungen
fähig  ist“  (LXvelbyb,  De  la  propriete  et  de  ses  forraes  primitives,  1.  Ausg.
1874,  S.  381).  —  In  einem  Brief  vom  17.  Nov.  1872  beglückwünscht  Stüakt  Mill
Laveleye  gerade  zu  diesem  Nachweis  (Ebenda,  Vorwort,  XIII).
2 )  Dieses  Argument  ist  besonders  bemerkenswert,  da  es  seitdem  von  den  liberalen ­
  Volkswirtsohaftlern  sehr  oft  wieder  aufgenommen  ist.  Auch  werden  wir  es  bei
Bastiat  wiederfinden.  Die  Saint-Simonisten  sitzen  beständig  auf  beiden  Stühlen,
dem  Liberalismus  und  dem  Sozialismus.
s )  Doctrine,  S.  182;  Diese  ganze  geschichtliche  Argumentierung,  die  wir  in
einen  kurzen  Paragraphen  zusammenfassen,  findet  sich  auf  den  Seiten  179  bis  193  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.